Rechtschreibreform

Macht Rechtschreibung allein "gutes Deutsch"?

September 2004

Wenige Monate vor Ende der ├ťbergangsfrist wurde, von Verlagen in Deutschland ausgehend, die Diskussion ├╝ber die Sinnhaftigkeit der Rechtschreibreform neu entfacht und eine R├╝ckkehr zur alten Rechtschreibung gefordert.

Im Interesse unserer Kinder, die seit Jahren nach den neuen Regeln unterrichtet werden, ist eine R├╝ckkehr zur alten Rechtschreibung jedoch nicht vertretbar.

Auch wenn die neuen Regeln nicht in allen Punkten schl├╝ssig sind, so sollten nicht die zahlreichen "Schwachstellen" der alten Regelung ignoriert und die sogenannten alten Rechtschreibregeln "glorifiziert" werden. Eine Wiedereinf├╝hrung der alten Regeln w├╝rde keine Verbesserung darstellen, zumal auch diese Regeln in vielen Punkten nicht "logisch" waren und nur von den Wenigsten vollst├Ąndig beherrscht wurden.



"Die Einf├╝hrung der neuen Rechtschreibregelung ist an den ├Âsterreichischen Schulen reibungslos erfolgt. F├╝r Kinder und Jugendlichen ist es heute wesentlich leichter fehlerfrei zu schreiben, weil sie die neuen Regeln verst├Ąndlicher finden. Dies best├Ątigen nicht nur Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern, sondern auch deren Eltern und Lehrerinnen und Lehrer. Studien best├Ątigen, dass es in 93 Prozent der Volksschulen keine oder kaum Probleme bei der Umstellung gab. Die Reaktionen aus den Schulen waren und sind durchwegs positiv. Diese Erfahrungen und die Tatsache, dass es sich hier um einen Vertrag unter mehreren Partnern handelt, der eingehalten werden muss, lassen ein Zur├╝ck nicht zu.

Wenn man an eine R├╝cknahme der Rechtschreibreform denkt, sollte man sich schon fragen, wie sinnvoll eine solche Entscheidung w├Ąre. Ein Hin und Her stiftet gro├če Verwirrung, vor allem bei jenen, die sich noch w├Ąhrend ihrer Zeit in der Schule umgestellt haben. Am Ende wei├č niemand mehr, wie man was schreiben soll. Eine Verbesserung w├╝rde dies auf keinen Fall bedeuten. Besonders im Schulbereich w├Ąre eine R├╝cknahme der Reform mit gro├čen Schwierigkeiten verbunden, weil alle Schulb├╝cher wieder umgeschrieben werden und alle Jugendlichen, die sich bereits an die neue Schreibweise gew├Âhnt haben, umlernen m├╝ssten. Au├čerhalb der Schulen und der Vorgaben zur beh├Ârdlichen Schreibweise, das geh├Ârt auch einmal gesagt, ist es jedem unbenommen, wie er oder sie pers├Ânlich schreibt. Daf├╝r gibt es weder ein Gesetz noch sonstige Regelungen. Das ist eine ganz pers├Ânliche Entscheidung."

(Statement von Frau BM Gehrer zur Rechtschreibreform im Interview f├╝r die Zeitschrift "SCHULE"*)

├ťber dieser Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass "gutes Deutsch" nicht allein und auch nicht haupts├Ąchlich durch richtige Schreibung gekennzeichnet ist. Richtige (einheitliche) Schreibung erleichtert das Lesen. Aber wichtiger als die Schreibung sind zweifellos die Inhalte.

Auch die Leistungsbeurteilungsverordnung (┬ž 16 Abs.1) weist in diese Richtung: So ist zB "Schreibrichtigkeit" (Z1 lit.d) der letzte von vier Aspekten, die f├╝r die Beurteilung von Schularbeiten in der Unterrichtssprache ma├čgebend sind. "Inhalt", "Ausdruck" und "Sprachrichtigkeit" werden unter Z1 lit.a)-c) angef├╝hrt. Auch in den anderen Gegenst├Ąnden werden Sinnerfassung, gedankliche und sachliche Richtigkeit, etc. als wesentliche Aspekte hervorgehoben.

Geben wir der Beherrschung der richtigen Schreibung einen angemessenen Stellenwert und unterscheiden wir sorgf├Ąltig, was wichtig ist und was nicht. Aus mangelhafter Rechtschreibung auf generell mangelhafte Bildung oder Unt├╝chtigkeit zu schlie├čen, ist sowohl sachlich als auch menschlich gesehen falsch.

Ilse Schmid
Pr├Ąsidentin
LV-EV
Tel. 0664 5123272