EU Reflex-Studie

Handytelefonieren kann deine Gesundheit gef├Ąhrden

12. September 2005


Warnung der Wiener Ärztekammer

F├╝r gro├čes Aufsehen sorgte in den letzten Monaten die Warnung der Wiener ├ärztekammer vor ├╝berm├Ą├čigem Handytelefonieren vor allem bei Kindern. Grundlage daf├╝r ist die k├╝rzlich pr├Ąsentierte "Reflex-Studie" (Abk├╝rzung f├╝r Risk Evaluation of Potential Environment Hazard from Low Energy Electromagnetic Field Exposure Using Sensitiv in vitro Methods), in der eindeutig ein gentoxischer Effekt von Mobilfunkstrahlen nachgewiesen wurde.

EU Reflex-Studie

Die von der EU mit mehr als zwei Millionen Euro gef├Ârderte "Reflex-Studie" wurde an mehreren bedeutenden Forschungszentren in Europa - unter anderem auch am Wiener AKH - durchgef├╝hrt. Dabei wurde die so genannte Mutagenit├Ąt einer Substanz, in diesem Fall von elektromagnetischen Feldern, ├╝berpr├╝ft. Man untersuchte Ver├Ąnderungen in der Erbsubstanz, die der m├Âgliche Beginn einer Tumorerkrankung sind. Ein Teil der Tests wurde an menschlichen Promyelozyten - einer Vorstufe von Zellen der Blutbildung - durchgef├╝hrt. Eine Mutation solcher Zellen kann in weiterer Folge zu Leuk├Ąmie und ├Ąhnlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems f├╝hren.

Die Ergebnisse aus dieser Studie in einem zusammenfassenden Satz:

Es gibt tats├Ąchlich einen gentoxischen Effekt auf menschliche Zellkulturen von Mobilfunkstrahlen in der St├Ąrke, wie sie von jedem GSM-Handy erzeugt werden.

Schon fr├╝her zeigten Tierversuche dosisabh├Ąngige gentoxische Wirkungen unter hochfrequenter Strahlung. Weiters wurden in Gehirnen von Ratten nach zweist├╝ndiger Handybestrahlung vermehrt funktionslose Nervenzellen gefunden. Zwei epidemiologische Untersuchungen zeigten ├╝bereinstimmend ein drei- bis vierfach erh├Âhtes Risiko f├╝r H├Ârnervtumoren nach zehnj├Ąhriger Handynutzung. Mit der nun vorliegenden "Reflexstudie" wurde f├╝r alle diese Ergebnisse ein zellbiologischer Zusammenhang nachgewiesen.

Erik Huber, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien:

"W├╝rden Medikamente dieselben Pr├╝fergebnisse wie Handystrahlen liefern, m├╝sste man sie sofort vom Markt nehmen."

Die Wiener ├ärztekammer sieht sich daher veranlasst, die Bev├Âlkerung zu mehr Sorgfalt im Umgang mit Mobilfunkger├Ąten insbesondere bei Kindern aufzurufen.

Huber:

"Wir m├╝ssen davon ausgehen, dass Kinder gegen├╝ber hochfrequenter Strahlung empfindlicher sind als Erwachsene, da der Sch├Ądelknochen d├╝nner ist und die kindlichen Zellen eine erh├Âhte Teilungsrate, in der sie auf gentoxische Effekte empfindlicher sind, aufweisen."

Daher habe man sich entschlossen, dem Beispiel des britischen Gesundheitsministeriums und des d├Ąnischen Gesundheitsrates zu folgen und auch in ├ľsterreich vor ├╝berm├Ą├čigem Handytelefonieren insbesondere von Kindern zu warnen.

dringend empfohlene Konsequenzen aus der Reflexstudie:

Als erste Konsequenz daraus hat nun die Ärztekammer einen Leitlinienkatalog erstellt, der konkrete Verhaltensregeln im Umgang mit Handys festlegt, die "ausdrücklich nicht nur für Kinder" gelten sollen:

  • Kinder unter 16 Jahren sollten Handys nicht benutzen.
  • Nur in dringenden F├Ąllen und dann nur kurz telefonieren.
  • Handy in der Hosentasche und auch SMS-Versenden unter der Schulbank kann die Fruchtbarkeit beeintr├Ąchtigen und sollte daher g├Ąnzlich unterlassen werden.
  • Beim Versenden von SMS das Handy vom K├Ârper fernhalten.
  • Handy nachts ausschalten - wenn eingeschaltet, nicht in Kopfn├Ąhe aufbewahren.
  • Nicht in Fahrzeugen (Auto, Bus, Bahn) telefonieren, da hier das Handy mit h├Âherer Leistung strahlt.
  • Auch Headsets sind nicht empfehlenswert, da das Kabel h├Ąufig wie eine Antenne das Signal weiterleitet.
  • Keine Spiele am Handy spielen.
  • Handy w├Ąhrend des Gespr├Ąchsaufbaus nicht an den Kopf halten. - Ein paar Meter Abstand von anderen Personen halten, sie werden mitbestrahlt.
  • Weniger Handytelefonate bedeuten weniger Strahlung von Handymasten.
  • Internet nur ├╝ber Kabelverbindungen - UMTS und WLAN (Laptopklassen mit Funknetz) f├╝hren zu hohen Strahlenbelastungen.

Am Erzherzog Johann Gymnasium BORG Bad Aussee werden unter der Leitung von Prof. Mag. Harald Gerstgrasser seit Jahren Projekte mit dem Thema Mobilfunkstrahlung und Gesundheit unter Beteiligung von Umweltmedizin durchgef├╝hrt.

Prof. Mag. Gerstgrasser

Prof. Mag. Harald Gerstgrasser, unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik am Erzherzog Johann BORG Bad Aussee.

"Ich kenne die Problematik schon lange und bin froh, dass die Information ├╝ber die Gef├Ąhrlichkeit von Mikrowellenstrahlung jetzt in entsprechend gro├čem Rahmen transportiert wird. Ich kann nur jeder Schule empfehlen, zum Schutz der Gesundheit ihrer Sch├╝ler und Lehrer in der Hausordnung ein striktes Handyverbot zu beschlie├čen, auch mit den entsprechenden Sanktionen bei Missachtung, ├Ąhnlich wie beim Rauchen. Vorsorge ist beim derzeitigen Wissensstand ganz besonders wichtig."

Ein weiterer ganz ausgezeichneter Beitrag zur Thematisierung von Handytelefonieren und Gesundheit ist ein Folder mit Verhaltensregeln, der vom Grazer Kinderb├╝ro in Zusammenarbeit mit Frau DI Ingrid Grubauer (Risiko Mobilfunk ├ľsterreich) herausgegeben wurde. Doch nicht nur die Gesundheit kann durch den bedenkenlosen Einsatz neuer Kommunikationstechnologien unter die R├Ąder kommen, auch Sprachinhalte und Kommunikationsverhalten unter Jugendlichen verarmen, nicht zu vergessen die Schuldenfalle. Alles Gr├╝nde, warum Eltern dem Thema sehr kritisch begegnen sollten.