Mathematik-Ergebnisse: der Dressurakte

Das Nach-PISA-Entsetzen verwundert.

Schon im Jahr 2000 konnte durch eine Untersuchung des ZSE belegt werden, dass das "Mathematik-K√∂nnen" von Volkssch√ľlerInnen vorwiegend Ergebnis von "Dressurakten" sein muss.

Nur in 6 von insgesamt 177 Schularbeitenheften (das entspricht bei damals noch 6 Schularbeiten zu je mindestens 4 Beispielen einer Zahl von mehr als 4200 Aufgabenstellungen) gab es Aufgabenstellungen ohne Mangel.

Die Sch√ľlerInnen l√∂sten jedoch diese Aufgaben "richtig" (d.h. im Sinne des Erfinders), obwohl sie unsinnig waren:

Frau Ober hat einen Acker (!), der 154m lang und halb so breit ist. Sie schenkt ein Drittel der Wiese (!) her, den Rest verkauft sie, nämlich 1m2 zu 94S. Wie viel Geld bekommt sie?

Eine Dose(!) Erbsen beinhaltet 550g. Wie viel kg und g sind in 8 Gläsern(!)?

Herr Berger besteigt einen Berg. Er geht zwei Stunden 10Minuten. Dann macht er Rast. Nun sind noch 110 Minuten zum Gipfel. Wie lang (!) ist der Weg?

2kg 25 (?) =_____________dag

245 328 (?) =_____t______kg

Es gibt eine Untersuchung die belegt, dass Unsinns-Aufgaben von Schulanfängern viel eher als solche erkannt werden als von Kindern, die schon einige Jahre zur Schule gehen. Viele "Schulerfahrene" rechnen sofort eifrig und präsentieren ein Ergebnis.

Schon beim Erlernen der Grundrechnungsarten lautet das Motto "Tempo statt denken".

Bei der Arbeit mit Matrialen oder Arbeitsbl√§ttern wird nicht √ľberpr√ľft, ob die Kinder die richtigen Schlussfolgerungen gezogen haben.

So wird durch viel √úben, ein NICHT tragf√§higes -weil falsches- Denkgeb√§ude errichtet, das in sp√§teren Jahren einst√ľrzt oder nur mit sehr viel Frust und Nachhilfe m√ľhsam aufrecht erhalten werden kann.

Fatal scheint, dass,

weil die Einbr√ľche naturgem√§√ü erst sp√§ter auftreten wenn komplexere Aufgabenstellungen eigenes Denken erfordern und marionettenhaftes Agieren mal Richtiges (="er,sie hat es ja eh k√∂nnen") mal Falsches liefert,

dieses Problem hartnäckig geleugnet und als wesentliche Ursache in Abrede gestellt wird.

Weniger wäre mehr. Aber das schadet der "Fassade". Leider.
Ilse Schmid