Steirische Wege fĂŒr gelingende Schule

Abschluss der steiermarkweiten Kreativrunden

Die Kreativrunden sind abgeschlossen und haben gezeigt, dass viel Engagement von Lehrerinnen und Lehrern aber auch von Eltern in die Schule eingebracht wird: UnzĂ€hlige Projekte, LehrausgĂ€nge, schulbezogene Veranstaltungen, Schulveranstaltungen, Gruppen- und Teamarbeiten, offenes Lernen, entdeckendes Lernen, Materialhandlungen, Montessori, Freinet, Klippert,
 es gab nichts, was in einschlĂ€gigen "FachbĂŒchern" zu finden ist, was nicht auch in irgend einer Gruppe bekannt, vorgestellt oder auch angepriesen wurde.

Was wollen, was können wir mit den einzelnen AktivitĂ€ten nachhaltig bei SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern erreichen?

Viele stimmte diese Frage nachdenklich. Etliche bekannten, dass sie viele dieser Methoden, insbesondere so wie und wofĂŒr sie hĂ€ufig angewandt werden, fĂŒr ineffizient oder auch kontraproduktiv halten. Dennoch beteiligen sie sich bei der Umsetzung und Anwendung dieser scheinbar unverzichtbaren Unterrichtsformen. Der öffentliche Druck, aber auch Druck von Seiten einzelner Direktionen oder Inspektoren wird als Grund genannt, warum vieles eingesetzt wird, warum hĂ€ufig der Weg allein das Ziel ist und nicht auch das Ankommen.

Beachten wir, welche Methode fĂŒr welches Kind geeignet ist, oder sind z.B. bei Buchstabentagen alle Kinder zum Mitmachen verpflichtet, auch die, die schon lesen können, und auch die, die durch eine "ungeordnete" Situation so verunsichert und gestresst sind, dass sie "nur stören", und statt einen neuen Buchstabens zu lernen eine andere Lektion bekommen, nĂ€mlich dass LĂ€stig-Sein Aufmerksamkeit bringt.

Lernt jedes Kind durch Backen oder Formen des Buchstabens diesen leichter oder besser, oder erlernt es ihn lediglich trotzdem oder vielleicht gar nicht?

In welchem VerhÀltnis steht der Zeitaufwand zum Ertrag? Wie wird der Ertrag ermittelt? Wird er ermittelt? Oder reicht allein der Einsatz der Methode schon als Rechtfertigung?

Wie ist das mit unseren Buben? Beachten wir ihre Freude am Wettstreit und nĂŒtzen wir diese Freude als Motivator. Oder vermitteln wir, dass besser als der andere sein zu wollen unsozial ist? Wissen wir, fĂŒr welche Texte sich Buben begeistern? Kommen diese Texte auch im Unterricht oder bei HausĂŒbungen zum Einsatz? Bieten wir ihnen leistbare Herausforderungen oder haben wir alles so gut vorbereitet, dass kein Platz und keine Zeit fĂŒr eigenwillige Lösungen vorhanden ist? Kann ein zum Helfen eingeteiltes MĂ€dchen alles ohnedies schneller und zur grĂ¶ĂŸeren Zufriedenheit der Lehrperson lösen? Ernten jene Buben mehr Anerkennung von der Umwelt, die sich leicht lenken lassen, ruhig sitzen und die Rundumversorgung akzeptieren? Verweichlichen wir unsere Buben? Überfordern wir sie mit unserer FĂŒrsorge?

Werden wir den MĂ€dchen wirklich besser gerecht? LĂ€sst sich dies aus ihrem besseren Abschneiden bei PISA ableiten? Was können wir dazu beitragen, dass ihre Freude an der schulischen Arbeit wĂ€chst? Ermuntern wir sie zu eigenen Ideen oder gar zu Rebellion oder erdrĂŒcken wir sie mit unserer zur Schau gestellten Freude darĂŒber, dass sie alles so machen, wie wir es erwarten?

Spannende und existenzielle Fragen, die, obwohl eher am Rande erörtert, weiter verfolgt werden mĂŒssen. Schule ist in Bewegung, aber weiß sie auch wohin?
Ilse Schmid