Methodenfreiheit - Methodengerechtheit

Zur besseren Bew├Ąltigung ihres Lehreralltags werden Lehrerinnen und Lehrern seit Jahren eine Vielzahl von "neuen" Methoden vorgestellt und empfohlen.

Nicht bzw. wenig er├Ârtert wird dabei, dass nicht f├╝r alle Kinder einer Klasse die selbe Methode zur Erarbeitung bzw. Festigung von bestimmten Lerninhalten angewandt werden darf. Das f├╝hrt h├Ąufig dazu, dass f├╝r einzelne Aufgabenstellungen bzw. einzelne Sch├╝lerInnen ungeeignete Methoden gew├Ąhlt und den Kindern vorgeschrieben werden. Das belegt auch eine Forschung von Dr. Petri (ZSE Forschungsbericht 27):

" In der bisherigen Schulpraxis werden die verschiedenen Arbeitsformen oft noch nicht in systematischer Weise zweckdifferenziert verwendet"

Das "entdeckende Lernen" zum Beispiel soll den Sch├╝lerInnen Gelegenheit bieten, aus vorgegebenen oder selbst gefundenen Daten regelhafte Zusammenh├Ąnge zu erschlie├čen:

"Zahlreiche experimentelle Untersuchungen f├╝hrten bisher zu keinem den optimistischen Erwartungen entsprechenden `Durchbruch`im Sinne einer verbreiteten Nutzung des entdechenden Lernens.

Offensichtlich k├Ânnen die allermeisten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Sch├╝lern nicht selbst├Ąndig nachvollzogen werden......Der weitaus gr├Â├čte Teil wissenschaftlicher Information wird ├╝ber geeignete nicht entdeckende Methoden ....zu vermitteln sein."

"Die Geschichte des entdeckenden Lernens zeigt, wie ein stereotypes didaktisches Verfahrensschema....trotz aller von verschiedenen Experten vorgebrachten stichhaltigen Einw├Ąnde und wenig erfolgreicher Realisierungsbem├╝hungen f├╝r das p├Ądagogische Denken ...mit unrealistischen Vorstellungen verbunden blieb."

Gruppenarbeit, ein Muss f├╝r einen fort-schrittlichen(?) Unterricht, besteht oft nur darin, dass sich die Sch├╝lerInnen hinsicht-lich der Aufteilung eines zu erarbeitenden Kapitels einigen und gegen Ende der Arbeit die Pr├Ąsentation ihrer Ergebnisse koordinieren.

Die Sch├╝lerInnen k├Ânnen meist nur das von ihnen selbst Erarbeitete gut lernen.

"Denn wegen der knappen Unterichtszeit und des notwendig begrenzten Arbeitsauf-wandes der Berichterstatter informieren Referate und Pr├Ąsentationen anderer Art -wie z.B. Plakate- h├Ąufig in derart kompri-mierter Form, dass sie keine besonders g├╝nstigen Lernbedingungen darstellen."

Die fachliche und didaktische G├╝te dieser Darbietungen ist bei diesem Befund noch unbe-r├╝cksichtigt, kommt aber meist noch erschwerend hinzu.

Auch der Umgang mit Materialien im Mathematikunterricht scheint sehr un-kritisch. Konkrete Handlungen helfen nicht allen Kindern schon automatisch bei der L├Âsung von Aufgaben. Schon gar nicht k├Ânnen diese Kinder aus Handlungen mit Materialien tragf├Ąhige Rechenstrategien ableiten.

"So zeichnen sich Kinder, die erhebliche Probleme beim Rechnen haben, z.B. dadurch aus, dass sie nicht in angemes-sener Weise mit den Materialien umge-hen k├Ânnen, die ihnen beim Rechnen hel-fen sollen, w├Ąhrend die leistungsstarken Kinder diese Materialien nicht (mehr) ben├Âtigen

Dass die leistungsschwachen Kinder solche Probleme mit ihren Material-handlungen haben, liegt auch daran, dass zu wenige Lehrerinnen und Lehrer ihre Aufmerksamkeit auf die Material-handlungen der Kinder konzentrieren. ." (aus: W.Schipper, Occasional Paper 182)

Internationale Studien zeigen, dass ins-besondere in ├ľsterreich gerade die Schw├Ą-cheren signifikant schlechter geworden sind. Die Besseren blieben h├Âchstens gleich. Es ist daher an der Zeit, den Metho-den mehr Aufmerksamkeit zu schenken und und deren Nutzen (f├╝r den Einzelnen) auch in Relation zum Zeitaufwand objektiver zu hinterfragen. I.S.