Methodengerechtheit - Methodenfreiheit

Dass der Lehrplan den LehrerInnen Methodenfreiheit zubilligt, ist in der Lehrerschaft allseits bekannt und wird bei leisester Kritik am Unterrichtsgeschehen auch sofort ins Treffen gef├╝hrt.

Doch der Lehrplan schreibt auch Methodengerechtheit vor.

Dennoch ist es g├Ąngige Praxis, dass f├╝r alle Kinder einer Klasse die selbe Methode zur Erarbeitung bzw. Festigung von bestimmten Lerninhalten angewandt wird.

Praxis ist auch h├Ąufig, dass f├╝r einzelne Aufgabenstellungen ungeeignete Methoden gew├Ąhlt bzw. den Sch├╝lerInnen vorgeschrieben werden.

" In der bisherigen Schulpraxis werden die verschiedenen Arbeitsformen oft noch nicht in systematischer Weise zweckdifferenziert verwendet" *

Das "entdeckende Lernen" zum Beispiel soll den Sch├╝lerInnen Gelegenheit bieten, aus vorgegebenen oder selbst gefundenen Daten zu bestimmten Lernthemen regelhafte Zusammenh├Ąnge zu erschlie├čen:

"Zahlreiche experimentelle Untersuchungen f├╝hrten bisher zu keinem den optimistischen Erwartungen entsprechenden `Durchbruch` im Sinne einer verbreiteten Nutzung des entdeckenden Lernens."

Offensichtlich k├Ânnen die allermeisten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Sch├╝lern nicht selbst├Ąndig nachvollzogen werden......Der weitaus gr├Â├čte Teil wissenschaftlicher Information wird ├╝ber geeignete nicht entdeckende Methoden ....zu vermitteln sein."
"Die Geschichte des entdeckenden Lernerlebens zeigt, wie ein stereotypes didaktisches Verfahrensschema....trotz aller von verschiedenen Experten vorgebrachten stichhaltigen Einw├Ąnde und wenig erfolgreicher Realisierungsbem├╝hungen f├╝r das p├Ądagogische Denken ...mit unrealistischen Vorstellungen verbunden blieb."*

Gruppenarbeit, ein Muss f├╝r einen fortschrittlichen Unterricht (?), besteht oft nur darin, dass sich die Sch├╝lerInnen hinsichtlich der Aufteilung eines zu erarbeitenden Kapitels einigen und gegen Ende der Arbeit die Pr├Ąsentation ihrer Ergebnisse koordinieren. Die Sch├╝lerInnen k├Ânnen meist nur das von ihnen selbst Erarbeitete gut lernen.

"Denn wegen der knappen Unterrichtszeit und des notwendig begrenzten Arbeitsaufwandes der Berichterstatter informieren Referate und Pr├Ąsentationen anderer Art &endash;wie z.B. Plakate- h├Ąufig in derart komprimierter Form, dass sie keine besonders g├╝nstigen Lernbedingungen darstellen." *(*aus: Dr.Petri, ZSE Forschungsbericht 27)

Die fachlich didaktische G├╝te dieser Darbietungen ist bei diesem Befund noch unber├╝cksichtigt, kommt aber meist noch erschwerend hinzu.

Auch der Umgang mit Materialien im Mathematikunterricht scheint sehr unkritisch. Konkrete Handlungen helfen nicht allen Kindern schon automatisch bei der L├Âsung von Aufgaben. Schon gar nicht k├Ânnen diese Kinder aus Handlungen mit Materialien tragf├Ąhige Rechenstrategien ableiten.

"So zeichnen sich Kinder, die erhebliche Probleme beim Rechnen haben, z.B. dadurch aus, dass sie nicht in angemessener Weise mit den Materialien umgehen k├Ânnen, die ihnen beim Rechnen helfen sollen, w├Ąhrend die leistungsstarken Kinder diese Materialien nicht (mehr) ben├Âtigen. Dass die leistungsschwachen Kinder solche Probleme mit ihren Materialhandlungen haben, liegt auch daran, dass zu wenige Lehrerinnen und Lehrer ihre Aufmerksamkeit auf die Materialhandlungen der Kinder konzentrieren. " (aus: W.Schipper, Occasional Paper 182)

PISA2003 zeigt, dass gerade die Schw├Ącheren signifikant schlechter geworden sind. Die Besseren blieben h├Âchstens gleich. Es ist daher an der Zeit, den Methoden mehr Aufmerksamkeit zu schenken und und deren Nutzen f├╝r den Einzelnen objektiver zu hinterfragen.

Ilse Schmid, 14.2.05