Studie warnt wieder vor Handystrahlen

Elektromagnetische Handystrahlen gef├Ąhrden die Zellen des Menschen. Die tats├Ąchliche Auswirkung auf die Gesundheit ist nicht bekannt.

Beinahe jeder Steirer ist im Besitz eines Handys, dazu legen 1846 Mobilfunkstationen einen Mantel aus elektromagnetischen Wellen ├╝ber das Bundesland. Eine Strahlung, die laut neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft definitiv gef├Ąhrlich f├╝r menschliche Zellen ist. Oder wie es die zust├Ąndigen Experten sagen, "zu einem Problem f├╝r die gesamte Gesellschaft ausarten k├Ânnte".

Ohne R├╝ckschl├╝sse. Auch wenn sich daraus (noch) keine R├╝ckschl├╝sse auf m├Âgliche Erkrankungen schlie├čen lassen, so liefern die Ergebnisse dieser EU-Studie Handy-Gegnern wieder Munition f├╝r ihren Kampf gegen Mobilfunkbetreiber.

"Reflex-Studie". Der M├╝nchner Wissenschaftler Franz Adlkofer koordiniert die so genannte "Reflex-Studie", die in sieben L├Ąndern Europas seit Februar 2000 durchgef├╝hrt wurde. Am Wiener Allgemeinen Krankenhaus lie├č Adlkofer jetzt ├╝ber die Ergebnisse der Forschungen aufhorchen: "Unsere Untersuchungen beweisen, dass elektromagnetische Wellen in einer St├Ąrke, wie sie von jedem zugelassenen Handy ausgestrahlt werden, die Gene in menschlichen Zellen sch├Ądigen."

Theoretisch. In der Theorie kann das die Entstehung von Krebs bedeuten. Aber eben nur in der Theorie. Die Forschungen wurden nicht an Lebewesen angestellt, sondern fanden im Reagenzglas statt. "Darin haben wir menschliche Hautzellen mehrere Stunden einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt", vereinfacht Adlkofer.

Erh├Âhter Verdacht. Die Sch├Ądigung der Zellen beunruhigt den Wissenschaftler, wenn er auch klar festlegt, "dass ein kausaler Zusammenhang der elektromagnetischen Felder mit einer Gesundheitsgef├Ąhrdung des Menschen nicht belegbar ist". Den Verdacht eines Gesundheitsrisikos, dem dann alle Handybenutzer ausgeliefert w├Ąren, w├╝rde es jedoch erh├Âhen. F├╝r genauere Aufschl├╝sse w├Ąren jetzt Tierversuche n├Âtig.

Warnung. Auch die ├ľsterreichische ├ärztekammer warnte zuletzt vor Langzeitfolgen der Handy- und Schnurlostelefonie. "Kinder sollten Funktelefone grunds├Ątzlich nicht verwenden", meinte etwa Gerd Oberfeld, Referent f├╝r Umweltmedizin.

Brisant. Zwar reagieren Handy-Bef├╝rworter in der Regel ebenfalls mit wissenschaftlichen Studien, wenn wieder der Verdacht eines Gesundheitsrisikos laut wird - doch den brisanten Ergebnissen der "Reflex-Untersuchung" haben auch sie kaum etwas entgegenzusetzen. Bis auf ein Argument, das Thomas Barm├╝ller, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Forums Mobilfunk (FMK), hervorkehrt: "Die Reflex-Studie bezieht sich auf Forschungen im Reagenzglas und l├Ąsst keine R├╝ckschl├╝sse auf eine Gesundheitsgef├Ąhrdung zu."

Nicht ausschlie├čen. Zu den Warnungen der ├ärztekammer sagte Barm├╝ller, "dass es sich dabei um ein weiteres Scharm├╝tzel im unreflektierten Feldzug der ├ärztekammer gegen mobile Funktechnologien handelt". G├Ąnzlich ausschlie├čen wolle aber auch er ein Gesundheitsrisiko nicht.

Bef├╝rchtungen. Tausende Handybenutzer machen sich Sorgen um m├Âgliche Folgesch├Ąden. Die Antwort auf die Frage, ob man durch Handy-strahlung krank werden kann, wird aller Voraussicht nach noch l├Ąnger ungekl├Ąrt bleiben. F├╝r weitere Forschungen, wie Tierversuche, gibt es kein Geld. "Politik und Industrie wollen das Ergebnis nicht wissen. Denn es k├Ânnte Schlimmes dabei herauskommen", bef├╝rchtet Adlkofer.

Tierversuche. W├╝rde sich in Tierversuchen die Zellsch├Ądigung unter elektromagnetischen Wellen best├Ątigen, wie das 1995 in einer umstrittenen Studie in den USA der Fall war, w├Ąre das der Beweis, dass Handystrahlung zu Tumoren f├╝hren kann.

MICHAEL PECH, MICHAEL SAMEC

Kleine Zeitung, 1. September 2005