Lernen ï‚ž d(D)enken
Übung allein macht keinen Meister


Viele Jahre schon beschĂ€ftigt sich der Arbeitskreis „Schule und Bildung“ des Katholischen Familienverbandes auf Bundes- und Landesebene intensiv mit Themen betreffend Wahrung der WĂŒrde des Kindes, UnterrichtsqualitĂ€t, Nachhaltigkeit uÄ.. Durch Veranstaltungen mit hockarĂ€tigen Fachleuten und Bildungsverantwortlichen wird auch eine breitere Öffentlichkeit aufmerksam gemacht und sensibilisiert.

Diesmal war es Dr. Alfred Schirlbauer, der in seinem Referat „Schule: Spiel- oder Lernort“ eindrucksvoll Stellung bezog:

Schule ist primÀr ein Ort des Lernens.
Beim Lernen sollte auch die Lust sich selbst etwas zu plagen eine Rolle spielen.
Der Lehrer hat zu lehren. Nur Lernprozesse anzuregen ist zu wenig.
Nicht alles was in der Zeiteinheit 50Min passiert ist Unterricht.
Nicht jede Belehrung verdient den Titel Unterricht.

Unterricht muss, um Unterricht zu sein,
 an Hand von einzelnen Beispielen einen komplexen Sachverhalt erschließen,
 Einsicht in einen grĂ¶ĂŸeren und – im Sinne von Bildung bedeutenderen- Zusammenhang eröffnen,
 AufklĂ€rung schaffen und zu SelbstĂ€ndigkeit im Denken hinorientieren. (Denken ist immer schon in Gang, wir werden in eine FĂŒlle von Gedachtem hineingeboren – daher SelbstĂ€ndigkeit im Denken und nicht selbstĂ€ndiges Denken)

Das ist nicht ohne Anstrengung zu haben: Lernen ist Arbeit, Arbeit ist aufgeschobene Begierde. Arbeit/Lernen hat mit Triebverzicht zu tun.
Wichtig: SchĂŒler gibt sich nicht mit der erstbesten Variante zufrieden.

Es muss Differenz gesetzt werden zwischen dem was ich schon bin, und dem was ich noch werden kann:
Nicht reden, „wie der Schnabel gewachsen ist“; sondern die treffende Formulierung suchen.

Dem beliebigen Meinen und DafĂŒrhalten Grenzen setzen (sonst kein Lernen).
Daran können Menschen scheitern.
Das verleitet, Lernprozesse spielerisch zu gestalten, also anders, als es die Sache verlangen wĂŒrde.
Dadurch kommt es zur Verletzung des Prinzips der Sachlichkeit. Dem Kind wird Sachlichkeit vorenthalten.
Beispiel: Lehrer bringen Brezel, wenn der Buchstabe B zu lernen ist. Dann lassen sie das B auch noch gehen, das nennt man das „ganzheitliche Lernen“. Eine Schule, in der so gelernt wird, nennt sich „bewegte Schule“ oder „Schule in Bewegung“
Die GestaltpĂ€dagogik vertritt das Prinzip der Körper-Geist-Seele-Einheit: nicht bloß der Geist dĂŒrfe in Anspruch genommen werden, das fĂŒhre zur Verkopfung.
Das KontaktphĂ€nomen: Zum Unterrichtsinhalt mĂŒsse ein sinnlicher Kontakt hergestellt werden, denn man mĂŒsse betroffen sein.

Was muss man beim Schreibenlernen den Kindern abverlangen? Man muss auf sinnliche Assoziationen verzichten, Bilder erschweren die gedankliche Abstraktionsleistung.

Kann man Lernen lernen? Man kann Walzer tanzen, aber nicht Tanzen tanzen!
Lernen fĂŒhrt zu Wissen, Fertigkeiten,
. Wenn ich lerne, lerne ich immer etwas.
Lernen ist kein Inhalt, deshalb kann man es nicht lernen.
Lernen ist eine TĂ€tigkeit –meist eine gedankliche, in der sich das Individuum nach Inhalten richtet.
Die Inhalte haben aber die Eigenschaft verschieden zu sein. Ich kann nicht vorher das Lernen lernen und, wenn ich das kann, kann ich selber lesen.
Man könnte lernen, dass es beim Lernen auf die Sache ankommt, dass Vorannahmen, Vorurteile zur Sache, Meinungen
.wenig Rolle spielen und wenn, dann meist eine störende. Lernen ist eine ziemlich abstrakte Angelegenheit.

Einem Gedankengang folgen
SchĂŒler unterwirft sich der Sache, nicht dem Lehrer. Der SchĂŒler denkt den Gedanken des Lehrers mit. Lehrer denkt vor – SchĂŒler denkt nach.

Mitgeschrieben fĂŒr alle, die nicht dabei sein konnten, von Ilse Schmid