Rechtschreibbewusstheit und Fehlersensibilität

Michaela Glavic, Schulpsychologin

michaela.glavic@lsr-stmk.gv.at

Rechtschreibbewusstheit und Fehlersensibilität

Methodenkompetenz

Wer Methodenkompetenz besitzt, also Methoden des Lernens, Ăśbens und Arbeitens beherrscht, hat es leichter, sich Wissen anzueignen. Voraussetzung zur Anwendung von Methoden und Strategien ist aber nicht nur, dass diese bekannt und gut eingeĂĽbt sind, so dass bei Bedarf auf sie zurĂĽckgegriffen werden kann:

Problembewusstsein

Beim Lernenden muss vielmehr überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein („kreuseln“ oder „kräuseln“?) vorhanden sein – er muss ein Problem erkennen bzw. prinzipiell ein Bewusstsein dafür haben, dass es verschiedene Schreibweisen eines Wortes gibt, bevor er sich auf den Weg machen kann, das „Problem“ mit Hilfe einer „Methode“ lösen zu können .

Gerade bei Schülern mit Rechtschreibschwierigkeiten ist es oft erforderlich, dass die Lehr- oder Förderperson in ihnen den Zweifel überhaupt erst einmal weckt, und es sollten Lernarrangements bereit gestellt werden, die dazu führen, dass Probleme gesehen, Lücken entdeckt, Beziehungen gefunden, Regeln formuliert und Sachverhalte erforscht werden können. Hierzu eignen sich besonders so genannte „Sprachforscher-Aufgaben“.

Ăśbungskompetenz

Eine Übung muss an Wissen und Erkenntnis anknüpfen – Üben setzt voraus, dass zuvor etwas erkannt oder entdeckt worden ist. Noch immer herrscht vielfach die Ansicht vor, Kinder würden sich die Schreibung eines Wortes dann am Besten einprägen, wenn sie dieses durch mehrfaches Abschreiben möglichst intensiv üben („Wortbildtheorie“ als Grundlage der immer noch weit verbreiteten Praxis der geübten Diktate bzw. „Ansagen“).

Effektives Ăśben

Effektives Üben jedoch setzt Wissen voraus – z.B. das Wissen darüber, welches Rechtschreibproblem ein Wort überhaupt enthält und wie man es lösen kann. Dieses Wissen gewinnt ein Kind üblicherweise bei der Einführung eines orthographischen Phänomens im Rechtschreibunterricht –
z.B. dass sich tz und ck wie andere Doppelkonsonanten verhalten und nur eine andere Schreibvariante von zz und kk darstellen, und dass dementsprechend tz und ck – genau si wie mm oder pp – niemals nach Langvokalen oder Zwielauten vorkommen können und niemals nach anderen Konsonanten.

Erst auf der Basis dieses Wissens ist dann das Üben von Wörtern mit tz und ck bzw. mit z und k sinnvoll –

sonst bleibt es ein bloßes Einprägen eines Schemas (zumeist ohne Nachhaltigkeit).