Anregungen für Handlungsmöglichkeiten:

 

(Der anschließende Text ist ein Teil der Broschüre von Harald Aigner zum
Thema "Gewaltprävention".
Um die gesamte Broschüre zu sehen, siehe den Link am Ende der Seite.)

Anregungen für Handlungsmöglichkeiten in der Schule

(U. Meier, 1997)

„Gewaltphänomene in der Schule zu verringern bzw. nicht weiter ansteigen zu lassen, mündet in dem gemeinsamen Nachdenken darüber, wie der soziale und emotionale Erfahrungsraum Schule qualitativ verbessert werden kann“.


• Leistung fördern, Schulversagen verhindern
• Transparente und gerechte Chancenstruktur
• Psycho-soziale Zuwendung, Verständnis und Beratung für Lebensprobleme,
z. B. schwierige soziale Lebenslagen, familiäre Schwierigkeiten, Wohnumfeld,
entwicklungsbedingte Identitätskrisen, ...
• Gemeinschaft fördern, soziale Bindungen herstellen, z. B. Schülerfreundschaften,
positives Lehrer-Schüler-Verhältnis, Exkursionen, Sportwochen,
Schullandwochen, kulturelle Aktivitäten, Feste, Projekte,
Mitbestimmungsmöglichkeiten, ...
• Soziales Lernen, z. B. miteinander reden, Probleme und Konflikte mit gewaltfreien
und sozial akzeptierten Mitteln bearbeiten und lösen, Gruppenregeln erarbeiten, ...
• Geschlechtersozialisation betreiben, z. B. Handlungskompetenzen der Mädchen
stärken und konstruktiven Umgang der Jungen mit Aggression fördern, ...
• Grenzen setzen, Regeln entwickeln z. B. gemeinsame Entwicklung eines
Regelkataloges und Formen der Regelanwendung im Falle der Ãœbertretung
beschließen, ...
• Lernkultur entwickeln, z. B. schülerorientierte und differenzierte Lern- und
Erfahrungsmöglichkeiten anbieten
• Schule als Lebensraum und Lernumwelt gestalten


Konstanzer Trainingsmodell KTM

Pädagogische Handlungsstrategien


I. Unerwünschtes Verhalten hemmen (kurzfristige Strategie)

Ziel: Entzug von Bekräftigung, vermeiden von Erfolgserlebnissen für
den/ die auffälligen Schüler(innen)
Enthält: 1. Ignorieren des auffälligen Verhaltens
2. Stoppen oder Abbrechen (verbal)
3. Im Keim ersticken (nonverbal)
4. Sachliche Kritik und Entzug von Vergünstigungen

II. Negative Anregungen vermindern (präventive Strategie)

Ziel: Auslöser oder Hinweisreize vermeiden; Situationen vermeiden, in denen
Störungs- oder Aggressionstendenzen zum Ausbruch kommen
Enthält: 5. Nicht unbedingt notwendige Frustrationen im Unterricht vermeiden
(Unterrichtsaufbau)
6. Keine eigenen aggressiven oder undisziplinierten Verhaltensweisen
zeigen (Modellverhalten)
7. Vermeiden unklaren Unterrichtsablaufs/ -stils
8. Abstimmung der sozialen Ordnung im Klassenzimmer auf die
momentane Unterrichtsform
9. Vermeiden aggressiver Hinweisreize (im Klassenzimmer,
in Unterrichtsmaterialien)

III. Positive Anregungen anbieten (präventiv und kurzfristig)

Ziel: Mit Aggression oder Störung unvereinbares Schülerverhalten anregen
Enthält: 10. Die Aufmerksamkeit der Gruppe finden („Gruppenfokus“)
11. Für Sachmotivierung und lernbezogene Abwechslung sorgen
(Unterrichtsaufbau/-stil)
12. Lernsituation übersichtlich gestalten
(„Informierender Unterrichtseinstieg“)
13. Vorbildliches eigenes Verhalten (Modell)
14. Schülerleistungs- und stoffbezogen ermutigen
15. Humor zeigen (Kommunikation)
16. Einfühlung und Verständnis vermitteln und auslösen

IV. Persönliche Bewertungen und Sichtweisen verändern
(langfristige Strategie)

Ziel: Langfristige Veränderungen von Grundeinstellungen der eigenen Person
und der Schüler(innen) in Hinblick auf den Umgang mit Aggression und
Störung
Enthält: 17. Störung und Aggression „entdramatisieren“
18. Resignation überwinden
19. Akzeptierende Grundhaltung gegenüber dem auffälligen Schüler
einnehmen (Kommunikation)
20. Aufbau sozialer, persönlicher Beziehungen zu den Schüler(inne)n
(Grundlegende Verhaltensweise)
21. Schuldzuschreibungen und Verurteilungen vermeiden
(eigene Verantwortung erkennen)
22. Aggressive Modelle (Bilder usw.) kritisch betrachten und
kooperative Modelle würdigen
23. Eigene Gefühle und Bedürfnisse akzeptieren und mitteilen
(Kommunikation)

V. Erwünschtes Verhalten fördern (langfristige Strategie)

Ziel: Bekräftigung disziplinierten und kooperativen Verhaltens, insbesondere
durch systematisches Einüben
Enthält: 24. Positive Ansätze im Sozialverhalten bestärken
25. Gemeinsam Regeln für das Verhalten im Unterricht vereinbaren
26. Selbst angemessen kommunizieren und dies auch die
Schüler(innen) lehren
27. Kooperatives Lösen zwischenmenschlicher Konflikte üben


18 Kontrollfragen, die man sich bei jedem
schwierigen Kind stellen sollte:


(L. Schenk-Danzinger, 1976)

• Wie reagiere ich emotional auf Schwierigkeiten, die mir ein Kind bereitet?
• Wie steht es mit meinem Führungsstil?
• Lasse ich mich zu Befehlen und verbalen Aggressionen hinreißen oder spreche
ich auch zu schwierigen Kindern in einer Form, die sie mir gegenüber selbst verwenden
könnten?
• Habe ich vielleicht ein Vorurteil gegen den Schüler/die Schülerin (wegen seiner/
ihrer Herkunft, wegen Dingen, die ich über seine/ ihre Familie weiß, wegen
Schwierigkeiten, die mir Geschwister bereiteten, wegen seines/ ihres Aussehens,
wegen seines/ ihres schlechten Pflegezustandes usw.)?
• Habe ich mir überlegt, mit welchen Affekten ein Schüler / eine Schülerin auf
negative Verstärkungen (Strafe, Tadel, Bloßstellung, Drohungen) reagieren könnte
oder reagieren muss?
• Habe ich möglicherweise durch abfällige Bemerkungen und Ausdrücke negativer
Erwartung die Leistung und das soziale Prestige des Schülers / der Schülerin
beeinträchtigt?
• Habe ich versucht, auf aggressive Maßnahmen zu verzichten?
• Weiß ich genug über den Schüler / die Schülerin?
• Ist es mir gelungen, durch persönlichen Kontakt das Vertrauen des Schülers /
der Schülerin zu gewinnen?
• Habe ich das Vertrauen und die Mitarbeit der Eltern gewonnen?
• Habe ich versucht – wenn nötig – die Eltern zu einer Änderung ihrer
Erziehungsmethoden zu gewinnen?
• Habe ich versucht, das Verhalten und / oder die Leistungen des Schülers /
der Schülerin durch systematische Ermutigung und deutlich zum Ausdruck
gebrachte positive Erwartungen zu beeinflussen?
• Habe ich versucht, die anderen Kinder der Klasse zu Miterziehern zu machen
und mit ihnen zusammen unerwünschtes Verhalten zu ignorieren?
• Habe ich versucht – wenn nötig – soziale Situationen zu organisieren, die dem
Kind Ansehen verschaffen können?
• Habe ich alle Untersuchungen von Fachleuten veranlasst, die mir helfen könnten,
die Schwierigkeiten besser zu verstehen?
• Habe ich die Ratschläge der Fachleute lange und geduldig durchgeführt?
• Habe ich versucht, das Verhalten eines Schülers / einer Schülerin aus den
Defiziten seiner / ihrer Bedürfnisbefriedigung resp. aus den Spannungen, die aus
diesen Defiziten entstehen, zu erklären und ihm / ihr zu einer befriedigenden
Erfüllung seiner / ihrer Bedürfnisse zu verhelfen?
• Sind schuladministrative und fürsorgerische Maßnahmen, die ich veranlasst
habe, eine echte Hilfe für das Kind, oder dienen sie nicht vielleicht dazu, mich
seiner zu entledigen?

Lesen Sie mehr dazu in Gewaltprävention in der Schule