Erkenntnisse aus der Gehirnforschung

Konsequenzen fĂŒr Unterricht und Erziehung

In den letzten Jahren hat der technische Fortschritt dazu beigetragen, dass Aufbau und Wirkungsweise unseres Gehirns auch bildlich dargestellt werden kann und dadurch manche PhÀnomene des menschlichen Verhaltens besser verstanden bzw. erklÀrt werden können.
Nachstehend finden Sie einige Informationen zusammengefasst aus dem Buch

„Warum ich fĂŒhle, was du fĂŒhlst“
Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen
Von Joachim Bauer

Ad: Mobbing (Seite 105ff, TB 10/2006)

Soziale Isolation hat nicht nur eine psychologische Komponente, sondern sie beeinflusst auch die Biologie des Körpers.
Soziale Zuwendung fĂŒhrt zur AusschĂŒttung von wichtigen Botenstoffen wie Dopamin, Oxytocin und Opioide.
Wenn Menschen keine „spiegelnden RĂŒckmeldungen“ mehr bekommen, wie das bei bestimmten Formen von Mobbing zB der Fall ist, so aktiviert der Körper eine Reihe von Abwehrmechanismen, wie dies sonst (nur) in Gefahrensituationen geschieht. Es entsteht gleichsam eine biologische Stressreaktion.
Alarmbotenstoffe wie Glutamat und Cortisol werden ausgeschĂŒttet. Eine ĂŒberhöhte Konzentration dieser Stoffe kann Nervenzellen zerstören.

„Der absichtsvolle, andauernde Entzug der spiegelnden Wahrnehmung und der systematische Ausschluss aus dem Raum sozialer Zugehörigkeit sind Akte biologischer Vernichtung.“ (Seite 115)

„Das zwischenmenschliche Erkennen und Anerkennen systematisch zu verweigern ist ein Akt der Unmenschlichkeit und ethisch verwerflich.“ (Seite 115)

Ad: Lehren und Lernen (Seite 122ff, TB 10/2006)

Experimente haben gezeigt, dass die Beobachtung einer bestimmten Handlung die FĂ€higkeit verbessert, diese Handlung selbst auszufĂŒhren. Dabei geht es nicht nur um den reinen Handlungsaspekt, sondern auch um emotionale oder sensorische Wahrnehmungen.

Diese Komponenten sind wesentlich fĂŒr den Erwerb von Kompetenzen. Die persönliche Unterweisung, auch das zeigende Vormachen, ist eine entscheidende Komponente des Lehrens und Lernens.
Lehrpersonen sind somit nie ausschließlich Stoffvermittler sondern ihre persönliche Unterweisung stellt einen wichtigen Beitrag beim Lehren und Lernen dar.

„Dagegen ist es eine neurobiologisch völlig unsinnige Strategie, SchĂŒlergruppen eigenstĂ€ndig neuen theoretischen Stoff mit Hilfe eines Lehrbuchs erarbeiten zu lassen.“ (Seite 124)

Ad: Sprache

Sprachprodukte, die im Widerspruch zu einer Handlungsabfolge stehen, können den Akteur bei der AusfĂŒhrung der Handlung stören.

Versuche zeigen, dass Personen Handlungen deutlich schlechter gelingen, wenn ihnen verbal eine entgegengesetzte Botschaft vermittelt wird. (Seite 83, TB 10/2006).

Lesen Sie auch vom selben Autor:
„Lob der Schule“
Sieben Perspektiven fĂŒr SchĂŒler, Lehrer und Eltern