Zweite Schulforumssitzung notwendig!

„
Der Schulleiter hat auch ohne Verlangen auf Einberufung das Schulforum einzuberufen, sofern eine Entscheidung gemĂ€ĂŸ Abs. 2 Z 1 erforderlich ist oder eine Beratung gemĂ€ĂŸ Abs. 2 Z 2 zweckmĂ€ĂŸig erscheint
.“
§ 63a Abs. 10 SchUG

Eine jedenfalls zu treffende Entscheidung gemĂ€ĂŸ Abs. 2 Z 1 ist:

k) die Festlegung der Ausstattung der SchĂŒler mit Unterrichtsmitteln

Hiebei geht es insbesondere um die SchulbĂŒcher, die –wie auch im Erlass des LSRs "Schulgeldfreiheit" festgehalten- Eigentum unserer Kinder sind.

Wir sollten als Eltern die Entscheidung nicht ganz aus der Hand geben, ob unsere Kinder BĂŒcher erhalten, die wichtige Nachschlagwerke darstellen bzw. sie ĂŒber Jahre begleiten, oder lediglich Werke bestellt werden, die nur in der Schule Verwendung finden oder den Kindern nur quasi leihweise zur VerfĂŒgung gestellt werden.

Die wesentlichen Inhalte des Schulbucherlasses:

Die Auswahl der SchulbĂŒcher durch die Schule erfolgt aus der Schulbuchliste, aus dem Anhang sowie der Liste Therapeutischer Unterrichtsmittel.
Die Beschlussfassung erfolgt durch das Schulforum (1.-8. Schulstufe) bzw. die Schulkonferenz (9. -13. Schulstufe). 
.

Der Termin der Schulforen/-konferenzen im MĂ€rz/April (01. MĂ€rz 2009 - 15. April 2009) soll die BerĂŒcksichtigung der SchĂŒlerzahlen nach der Anmeldung fĂŒr das kommende Schuljahr erlauben, andererseits frĂŒh genug sein, um die Auflagenhöhe auf Grund der Bestellmenge festlegen zu können.

Die im Rahmen der Schulbuchaktion verfĂŒgbaren Werke, können ĂŒbers Internet angerufen werden. Belegexemplare zu verschiedensten Angeboten mĂŒssten auch in der Schule aufliegen, da die Schulbuchverlage immer wieder auch Ansichts-exemplare bereit stellen.

Mit der Empfehlung, sich als Eltern an der Schulbuchauswahl zu beteiligen, ist keinesfalls gemeint, das Eltern fachliche Beurteilungen ĂŒbernehmen sollen.

Was Eltern jedoch tun sollten, ist:

â˜șBĂŒcher abzulehnen, die Kinder nicht ohne Hilfe von erwachsenen benĂŒtzen können,

â˜șArbeits-BĂŒcher auszuschließen, die zu kleine Schreibfelder bieten,

â˜șWörterbĂŒcher einzufordern, die Kinder in ihre Heimbibliothek aufnehmen können,


Ein weiterer Punkt, der zwingend die Abhaltung einer Schulforumssitzung erfordert, ist

die Beantragung von Schulversuchen:

„..Vor der EinfĂŒhrung eines Schulversuches an einer Schule ist das Schulforum bzw. der Schulgemeinschaftsausschuss zu hören
.“
(§ 7 Abs. 5 SchOG).

Ob Schulversuche stattfinden, obliegt nĂ€mlich keinesfalls ausschließlich der Lehrerschaft.

„Schulversuche dĂŒrfen nur eingerichtet werden, wenn die Erziehungsberechtigten von mindestens zwei Dritteln der SchĂŒler/innen und wenn zwei Drittel der Lehrer/innen der betreffenden Schule dem Schulversuch zustimmen.“ (§ 7 Abs. 5a SchOG).


Die konkrete Ausgestaltung der Schulversuche mĂŒsste Gegenstand von Beratungen sein.
Die Erziehungsberechtigten haben ein Anrecht darauf, zu wissen, welchen konkreten Abweichungen sie zustimmen.

„Als Grundlage sind SchulversuchsplĂ€ne zu erstellen, aus denen das Ziel des Schulversuches, die Einzelheiten der DurchfĂŒhrung und die Dauer (Schulversuch) hervorgehen. In den SchulversuchsplĂ€nen ist jedenfalls darzulegen, von welchen Rechtsvorschriften abgewichen wird und in welcher Weise diese Bestimmungen versuchsweise anders normiert werden.“ (§ 7 SchOG)


Auch bei bewilligten bzw. laufenden Schulversuchen haben alle Interessierten -nicht nur die Betroffenen- das Recht, NĂ€heres ĂŒber die Details zu erfahren.

„Die SchulversuchsplĂ€ne sind in der jeweiligen Schule durch Anschlag wĂ€hrend eines Monats kundzumachen und anschließend bei der Schulleitung zu hinterlegen.
Auf Verlangen ist SchĂŒlern/innen und Erziehungsberechtigten Einsicht zu gewĂ€hren. Sofern es sich um Schulversuche zum Lehrplan handelt, sind ein Versuchslehrplan bzw. eine Lehrplanskizze sowie eine vorlĂ€ufige Jahresplanung vorzulegen.“


Alle SchulversuchsantrĂ€ge fĂŒr öffentliche und private Pflichtschulen sind grundsĂ€tzlich (vgl. hiezu auch die Speziellen Richtlinien) unter BerĂŒcksichtigung des Postweges bis zu einem bestimmten Stichtag
dem fĂŒr Unterricht zustĂ€ndigen Bundesministerium vorzulegen. Nach diesem Termin einlangende AntrĂ€ge können nur in begrĂŒndeten AusnahmefĂ€llen berĂŒcksichtigt werden.

Entsprechende Rundschreiben finden Sie hier: https://www.bmbf.gv.at/ministerium/rs/index.html

Gerade in Volksschulen gibt es zwei wichtige Anliegen:

I.die Intensivierung des Unterrichts im Fach „lebende Fremdsprache“ und
II.die Verbesserung der Leistungsbeurteilung


ad I: Intensivierung des Unterrichts im Fach „lebende Fremdsprache“

Zu Punkt 1 wird im Rundschreiben Nr. 3/2009 folgendes ausgefĂŒhrt:
Bei der Lebenden Fremdsprache in der Grundschule wird es v.a. um folgende Projekte gehen:

1. Sprachintensivierung durch Darbietung von geeigneten Inhalten des Lehrplanes der Volksschule in einer lebenden Fremdsprache durch die Klassenlehrerin bzw. den Klassenlehrer im Ausmaß von maximal einer Unterrichtsstunde pro Tag. Gelegentlich kann der Unterricht in der Fremdsprache auch von Expertinnen bzw. Experten – wenn möglich „native speakers“ – in Kooperation mit der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer erteilt werden, die bzw. der jedenfalls die Verantwortung fĂŒr den Unterricht trĂ€gt.
Die gemeinsame Planung des Unterrichts der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers mit dem „native speaker“ ist eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr das Gelingen des Vorhabens.
Beim Einsatz von „native speakers“ ist auf eine dem Grundschullehrer gleichwertige Ausbildung zu achten. Eine grundsĂ€tzliche, unverzichtbare Voraussetzung fĂŒr Schulversuche zur Sprachintensivierung ist es, dass die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer ĂŒber die erforderlichen Qualifikationen zur Erteilung des integrativen Unterrichts in der jeweiligen Sprache ab der ersten Schulstufe verfĂŒgt.

2. FĂŒhrung bilingualer Klassen bzw. Formen unter bestimmten Voraussetzungen:
- ZielsprachengemĂ€ĂŸ gemischte SchĂŒlerpopulation zur GewĂ€hrleistung des Prinzips des peer group learning (annĂ€hernd gleich große Gruppen)
- fĂŒr die fremdsprachige SchĂŒlergruppe Einsatz von Lehrer/innen, die ĂŒber ein Lehramt fĂŒr Volksschulen in Österreich bzw. ĂŒber eine vergleichbare Qualifikation verfĂŒgen und deren Erstsprache nach Möglichkeit die geplante Fremdsprache ist.

Da die Bezahlung des Lehrpersonals keinesfalls Sache der Eltern ist und auch nicht sein darf, muss eine Finanzierung der „native speakers“ ĂŒber den Dienstpostenplan möglich sein.

Es gibt derzeit nur wenige Schulen, die ĂŒber einen derartigen Schulversuch entsprechendes Personal zur VerfĂŒgung gestellt bekommen. Dies hat möglicher Weise auch damit zu tun, dass keine entsprechenden SchulversuchsantrĂ€ge gestellt werden, sondern der „einfachere“ Weg ĂŒber die Elternvereine gewĂ€hlt wird. Von diesen wird gefordert, ĂŒber (angeblich) freiwillige ElternbeitrĂ€ge die „native speakers“ zu finanzieren. Neben der finanziellen Belastung wird so Elternvereinen auch noch eine „Arbeitgeberrolle“ aufgebĂŒrdet, deren Ausmaß oft unterschĂ€tzt wird.

Unser Rat:

Fordern Sie die Beantragung eines Schulversuchs nach oben beschriebenen Kriterien mit gleichzeitiger Bekanntgabe des Stundenausmaßes fĂŒr die „native speakers“.

Nur so können wir erreichen, dass von den Verantwortlichen Stellung bezogen wird:
„Sind derartige Schulversuche tatsĂ€chlich erwĂŒnscht, oder handelt es sich bei der Fremdsprachenoffensive mit dem frĂŒhen Fremdsprachenlernen nur um Lippenbekenntnisse.“
Will man Chancengleichheit, oder bekommen den Unterricht durch „native speakers“ nur Kinder von jenen Eltern, die auch extra dafĂŒr bezahlen können ( und es „netter Weise“ auch dĂŒrfen – oder mĂŒssen?)


ad II: Verbesserung der Leistungsbeurteilung

Obwohl das bmukk in seinen Rundschreiben ausdrĂŒcklich darauf hinweist, dass Handhabungen im Zusammenhang mit der Leistungsbeurteilung, sofern diese von der ĂŒblichen Ziffernbeurteilung abweichen, nur nach „Einhaltung bestimmter Spielregeln“ vorgenommen werden dĂŒrfen, scheinen Eltern vielerorts im Glauben gelassen zu werden, dass die Auswahl der Form ausschließlich im Ermessen der Lehrerschaft liege.

Drei Dinge setzen Eltern leider immer noch in Erstaunen:

1.Dass es nicht Sache des Klassenforums ist, eine Beurteilung OHNE Noten zu beschließen, sondern dies nur im Wege eines Schulversuchs möglich ist,
Mit Ausnahme der Möglichkeit gem. § 18 Abs. 2 SCHUG, zur Ziffernbeurteilung verbale ZusĂ€tze hinzuzufĂŒgen, können alle ĂŒbrigen alternativen Formen der Leistungsbeurteilung nur im Wege von Schulversuchen (§ 78a SchUG) realisiert werden:

2.Dass Im Falle einer Beurteilung ohne Noten den Eltern im Sinne des § 7 SchOG genaue Informationen ĂŒber die konkrete Form zustehen,

(2) Als Grundlage fĂŒr Schulversuche sind SchulversuchsplĂ€ne aufzustellen, die das Ziel der einzelnen Schulversuche, die Einzelheiten ihrer DurchfĂŒhrung und ihre Dauer festlegen. Die SchulversuchsplĂ€ne sind in den Schulen, an denen sie durchgefĂŒhrt werden, durch Anschlag wĂ€hrend eines Monats kundzumachen und anschließend bei den betreffenden Schulleitungen zu hinterlegen; auf Verlangen ist SchĂŒlern und Erziehungsberechtigten Einsicht zu gewĂ€hren.

3.dass trotz des Bestehens eines Schulversuchs „Beurteilung ohne Noten“ sie als Eltern fĂŒr Ihr Kind dennoch eine Beurteilung durch Noten verlangen können.

§ 78a:
(1) An Volksschulen und an Sonderschulen sind alternative Formen der Leistungsbeurteilung zu erproben, wobei die SelbststĂ€ndigkeit der Arbeit, die Erfassung und die Anwendung des Lehrstoffes, die DurchfĂŒhrung der Aufgaben und die EigenstĂ€ndigkeit der SchĂŒler zu beurteilen sind und unterschiedliche SchĂŒlerleistungen zum Ausdruck zu bringen sind. In den Schulversuchen ist vorzusehen, dass auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat.


Die Art der Leistungsbeurteilung ist insbesondere fĂŒr jene Kinder, die nicht „lauter Einser“ einheimsen können, ein wesentlicher Faktor in ihrer Schullaufbahn. Es ist Sache der Erwachsenen, gemeinsam geeignete RĂŒckmeldeverfahren anzuwenden. Ermutigung und Erfolgszuversicht dĂŒrfen dabei nicht zu kurz kommen.

RS 2009 - 3

Rundschreiben

Schulorganisationsgesetz (SchOG)

Schulunterrichtsgesetz (SchUG)

Schulpflichtgesetz (SchPflG)

Schulzeitgesetz (SchZG)