Muss Lesen Freude machen?

Es ist Aufgabe der Lehrpersonen und Schüler/innen an der Erreichung einer angemessenen Lesekompetenz zu arbeiten –ohne Wenn und Aber- und ohne „Ausreden“ wie:
Lesefreude fehlt!, Eltern sind keine Lesevorbilder!, etc.

Wer selbst gerne liest oder wer sieht, wie „Leseratten“ große Anerkennung bekommen, meint: Unstillbare Leselust ist unverzichtbar.

Aber
unzählige Stunden mit Lesen zu verbringen, stellt nicht per se einen Nutzen dar sondern dieser hängt sehr von der Qualität der Lektüre ab.
Und
viele sehr erfolgreiche –und auch glückliche- Erwachsene waren als Kinder ausgeprägte „Lesemuffel“ und würden sich auch heute nicht als „Leseratten“ definieren.

Leseerziehung ist ein integrierender Bestandteil der Grundschule, eine zentrale Bildungs- und Lehraufgabe des Unterrichtsgegenstandes Deutsch sowie in den Lehrplänen als Unterrichtsprinzip festgelegt.

Lesen dient der Informationsbeschaffung, ermöglicht Ich-Erfahrungen, fördert die Kommunikationsfähigkeit und schult Fantasie und Kreativität.

Viele dieser Funktionen des Lesens können einem Kind auch dadurch nahe gebracht werden, dass Erwachsene vorlesen. So ist das regelmäßige Vorlesen auch ein wichtiger Beitrag zur Leseerziehung.

Zentrales Anliegen der schulischen Leseerziehung ist es, die Lesebereitschaft und -freude der SchĂĽlerinnen und SchĂĽler zu wecken und damit lebensbegleitendes Lesen zu vermitteln.
Dazu ist es erforderlich, die Leseerziehung und -förderung im Unterricht, insbesondere durch Textauswahl, Lesemethoden und Rahmen-bedingungen lesemotivierend zu gestalten.
Dabei ist sehr einfĂĽhlsam vorzugehen. Denn
Lesefreude zu wecken gelingt wohl kaum, indem man das Gegenteil, nämlich keine Freude am Lesen zu haben, als Mangel dargestellt.
Wenn Kinder beginnen, jene zu beneiden, die „einen Roman nach dem anderen „verschlingen“ und nicht genug bekommen können, dann ist höchste Vorsicht angebracht.

Warum muss ein Kind unbedingt Freude am Lesen haben? GenĂĽgt es nicht, dass es gut Sinn erfassend lesen kann?
Die Forderung „Habe Freude am Lesen, dann wirst du es gut können!“ stürzt viele Kinder in die Verzweiflung. Sie haben nun mal keine Freude am Lesen, sondern an Sport, handwerklichen Tätigkeiten, Musik, …..

Entlastend wäre die Aufforderung: „Trainiere, damit du gut lesen kannst. Vielleicht macht es dir dann auch Freude zu lesen; wenn nicht, so ist das kein Mangel.“

Es ist wichtig, dass die notwendigen Leseleistungen konsequent eingefordert werden, aber es ist dem Kind zu ersparen, bei ungeliebten Tätigkeiten auch noch Freude empfinden oder zeigen zu müssen.