„Jeder ist seines GlĂŒckes Schmied“ - „Das GlĂŒck is a Vogerl“

Zwei SinnsprĂŒche - zwei Haltungen

GlĂŒck im Sinne des GlĂŒcklichseins, also des subjektiven Wohlbefindens und nicht im Sinne von „GlĂŒckhaben“, dem ZufallsglĂŒck, ist Gegenstand umfassender Forschungen in den unterschiedlichsten FakultĂ€ten.
GlĂŒck als Ausdruck eines subjektiven Wohlbefindens ist nicht einfach gegeben. Es hat wenig bis gar nichts mit „GlĂŒck haben“ zu tun. GlĂŒck ist subjektiv und wird gleichsam von der jeweiligen Person konstruiert.

Wenig Zusammenhang zwischen BIP und Lebenszufriedenheit:
Die seit den 60er Jahren durchgefĂŒhrten weltweiten Umfragen zur Zufriedenheit
haben gezeigt, dass es in den westlichen IndustrielĂ€ndern kaum einen Zusammenhang mehr gibt zwischen einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts/BIP pro Kopf und der Lebenszufriendenheit („kognitives Wohlbefinden“)

Ulrich van Suntum, Leiter des Zentrums fĂŒr angewandte Wirtschaftsforschung an der UniversitĂ€t MĂŒnster kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Die in den 70er Jahren entstandene ökonomische GlĂŒcksforschung hat herausgefunden, dass immer mehr materieller Wohlstand die Menschen auf Dauer tatsĂ€chlich kaum glĂŒcklicher macht.“

Lediglich in Einkommensbereichen bis 10000 US-Dollar ist eine starke Korrelation festzustellen, weil hier die Befriedigung der GrundbedĂŒrfnisse wie Essen, Wohnung, Kleidung, etc. gefĂ€hrdet sind, wĂ€hrend im Bereich ĂŒber 20000 US-Dollar eine Korrelation nahezu nicht mehr gegeben ist.
Karlheinz Ruckriegel, Professor an der Hochschule NĂŒrnberg erklĂ€rt dies so: “Dies beruht schlicht darauf, dass wir uns – nachdem die materiellen GrundbedĂŒrfnisse gedeckt sind - einfach und ziemlich schnell an mehr Einkommen gewöhnen, d.h. unsere Erwartungen nach oben anpassen, so dass letztendlich Mehr nicht besser als Weniger ist.”
LebensqualitĂ€t und Wohlergehen („well-being“) als ĂŒbergeordnetes Ziel der EU.
Die Strategie zur nachhaltigen Entwicklung, die im Juni 2006 von den EU-Staats- und Regierungschefs verabschiedet wurde, strebt nach einer kontinuierlichen Verbesserung der LebensqualitĂ€t und des Wohlergehens auf unserem Planeten fĂŒr die heute lebenden und fĂŒr die kĂŒnftigen Generationen “.

Die Wissenschaft unterscheidet 2 Komponenten des Wohlergehens/GlĂŒcks:
das emotionale Wohlbefinden und das kognitive Wohlbefinden, wofĂŒr das Englische, zum Unterschied vom Deutschen, auch eine sprachliche Differenzierung anbietet.

Pleasure, emotionales Wohlbefinden, meint das Vorhandensein einer positiven GefĂŒhlslage und Abwesenheit einer negativen GefĂŒhlslage im Hier und Jetzt, also das GlĂŒcklichsein im Moment. Es bezieht sich demnach auf Affekte, also Stimmungen und GefĂŒhle und reprĂ€sentiert die unmittelbare Bewertung der Ereignisse im Leben eines Menschen
Happiness, kognitives Wohlbefinden, meint eine generelle Zufriedenheit mit dem Leben, das GlĂŒcklichsein als dauerhaftes GefĂŒhl. Die kognitive Komponente bezieht sich also auf die intellektuellen oder rationalen Aspekte des subjektiven Wohlbefindens, wobei eine AbwĂ€gung stattfindet zwischen dem was man will und dem was man hat.

Neue Wissenschaftszweige entwickeln sich:

Ökonomische GlĂŒcksforschung
Schon 1974 hat Richard Easterlin auf den Zusammenhang aufmerksam gemacht, Dass mehr Einkommen nicht automatisch glĂŒcklicher macht. Mit seinen Arbeiten ĂŒber den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wohlstand, Arbeitsmarktteilhabe und subjektiver Lebenszufriedenheit gilt er als der BegrĂŒnder der ökonomischen GlĂŒcksforschung.
„Wenn du immer mehr Einkommen willst, werden sich auch deine AnsprĂŒche immer höher schrauben – ein Rennen, das du nicht gewinnen kannst. 
 Wenn Leute auf ein höheres Wohlstandsniveau kommen, dann nehmen sie das sehr schnell als selbstverstĂ€ndlich an. Sie passen also den Referenzpunkt fĂŒr ihr GlĂŒcksempfinden immer wieder automatisch ihrer neuen Gehaltsstufe an – und nivellieren so ihre Zufriedenheit.“.
“
money doesn`t buy happiness.” Ben S. Bernanke (US_Notenbank-Chef)

Positive Psychologie
1999 haben einige fĂŒhrende amerikanische Psychologen, wie Martin Seligman, Ed Diener und Mihaly Csikszentmihalyi einen neuen Wissenschaftszweig, die “positive Psychologie” offiziell als Forschungsrichtung begrĂŒndet.

Die Positive Psychologie konzentriert sich auf die Erforschung der positiven Aspekte des menschlichen Lebens und Miteinanders, die das Leben gesĂŒnder, besser und glĂŒcklicher machen.
Nach den Ergebnissen der Positiven Psychologie haben die positiven GefĂŒhle eine zentrale Rolle. Statt unmittelbare Probleme zu lösen – was die Aufgabe von negativen GefĂŒhlen ist - helfen gute GefĂŒhle, sich innerlich weiterzuentwickeln und so fĂŒr hĂ€rtere Zeiten zu wappnen. Gute GefĂŒhle vergrĂ¶ĂŸern unsere Gedanken- und Handlungsrepertoire und helfen damit, dauerhaft mentale Ressourcen aufzubauen.

Was empfiehlt uns die Positive Psychologie?

Dankbarkeit ĂŒben, was meint: dankbar zu sein fĂŒr das Leben wie es heute ist.

Robert Emmons erklĂ€rt dies so: „Dankbarkeit hilft, die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte des Lebens zu richten. Dankbarkeit gewĂ€hrt einen besseren Zugang zu den positiven Erinnerungen, wodurch die Wahrnehmungen im Allgemeinen ebenfalls positiver werden. Dankbarkeit macht glĂŒcklich, weil sie den Einzelnen zwingt, die Überzeugung aufzugeben, dass es in der Welt weder GĂŒte, noch Liebe, noch Freundlichkeit gibt und dass sie von nichts anderem bestimmt wird als von Zufall und Grausamkeit. Dankbarkeit ist ein Gegenmittel gegen negative Emotionen wie Geiz, Neid und Ärger.“
Optimistisch sein, was bedeutet voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Optimisten sind davon ĂŒberzeugt, dass sie ihre Ziele erreichen können, Sie setzten sich stĂ€rker fĂŒr ihre Ziele ein und geben nicht so leicht auf.
Die FĂ€higkeit, positive Ergebnisse zu sehen, wirkt motivationsfördernd. Optimismus ist somit quasi eine Art Katalysator fĂŒr alle möglichen Formen von Motivation.

Optimisten schenken dem Positiven mehr Beachtung ohne das Negative auszublenden.
Zuversicht spielt die entscheidende Rolle, wenn es darum geht, mit herausfordernden und belastenden Lebenssituationen flexibel umzugehen
Wichtige Schritte zur Umsetzung sind:
 Vermeiden von GrĂŒbeleien „HĂ€tte ich doch...“, „WĂ€re ich doch...“,
 Vermeiden von sozialen Vergleichen, denn sie können ein GefĂŒhl des Mangels und der Unzufriedenheit fördern.
 StĂ€rken der sozialen Beziehungen, denn wir alle sind soziale Wesen und daher zwingend auf andere Menschen angewiesen, um glĂŒcklich zu werden.
ErklĂ€rungen dafĂŒr hat die Neurobiologie insbesondere auch durch die Entdeckung der Spiegelneuronen geliefert. Das menschliche Gehirn hat fĂŒr das Erleben von „Antrieb“, „VitalitĂ€t“ und „Motivation“ ein spezifisches neuronales System zur VerfĂŒgung. Die AktivitĂ€t der Motivationssysteme stellt sich jedoch nicht von alleine ein, sondern hĂ€ngt von Stimuli ab, die das System von außen erreichen. Eine ErklĂ€rung, was der natĂŒrliche Stimulus der Motivationssysteme ist, gelang erst in den letzten Jahren: Zwischenmenschliche Zuwendung, Musik und lustvolle Bewegung.

Neben physischer und psychischer Gesundheit und ausreichenden Mitteln zur Befriedigung der materiellen (Grund-) BedĂŒrfnisse gehören also gelingende soziale Beziehungen, die Erfahrung der Zugehörigkeit sowie der eigener Kompetenz und insbesondere Bildung zu unseren wesentlichen GlĂŒcksquellen. Die innere Haltung im Hinblick auf Dankbarkeit, Optimismus, 
und die Lebensphilosophie, ReligiositĂ€t bzw. eine persönliche Suche nach dem Sinn des Lebens, stellen wichtige GlĂŒcksressourcen dar.

GlĂŒcklichen Eltern gelingt es besser, Dinge zu tun, die das GlĂŒcklichsein ihrer Kinder fördern: sie orientieren sich an den StĂ€rken, sie sind und schaffen Vorbilder, sie ĂŒbertragen Verantwortung und schĂ€tzen ihre Familie. Sie setzen richtige und maßvolle Ziele, ermutigen und blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Sie sind dankbar fĂŒr das Leben wie es heute ist und lenken die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte des Lebens.