Abschaffung von Musik-HS, Sport-HS,…gewünscht?

Seit Monaten schwelt die Debatte:

„Eine Schulbahn-Entscheidung für bzw. über 9-Jährige ist zu früh!“ so die Behauptung von sogenannten Experten aus Politik und Gesellschaft.

Wachsame Eltern müssen sich fragen, welche Folgen das für das künftige öffentliche, schulische Angebot haben wird.

Denn wer will behaupten,
dass nur die Entscheidung „Gymnasium oder Hauptschule“ eine Entscheidung ist, die für 9-Jährige getroffen wird?

Eltern von VolksschĂĽler/inne/n entscheiden auch, ob
ihr Kind die Musik-Hauptschule besuchen soll, oder die Sport-Hauptschule, oder die Realschule,…!

Auch diese Entscheidungen erfordern, dass Eltern sich mit den Begabungen und Zielen ihrer Volksschulkinder auseinander setzen.
Auch diese Entscheidungen beeinflussen die Entwicklung eines Kindes.

Es wirkt überheblich, nur die Entscheidung „Gymnasium-ja oder nein“ als bedeutsam darzustellen.

„Ein Schulsystem, in dem die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgt.“ ist eine zentrale Forderung des Bildungsvolksbegehrens.

Das hieĂźe konsequenterweise auch: keine Aufteilung in Musik- oder Sport-Hauptschule.
Der schulgeldfreie Zugang zu Schwerpunktangeboten mĂĽsste gestrichen werden.

Denn auch hier werden Kinder getrennt und mĂĽssen Entscheidungen fĂĽr VolksschĂĽler/innen getroffen werden.
Diese Entscheidungen sind um nichts weniger wichtig als eine Entscheidung zwischen „Gymnasium und Hauptschule“:
Der Weg zur Matura bzw. in eine berufsbildende Schule ist über beide Schienen möglich.
Die Matura anzustreben ist in beiden Fällen nicht Voraussetzung!


Weil die Volksschule – das Flaggschiff der Gesamtschule - versagt bzw. scheitert, müssen Schuldige gefunden werden.

Bedauerlicher Weise bieten sich -wie so oft- die Eltern als Schuldtragende an: „Sie lernen zu viel oder zu wenig mit ihren Kindern. Sie erkennen nicht, dass das „Sehr gut“ oder „Gut“ in der Volksschule nicht heißt, dass ihr Kind auch sinnerfassend lesen kann, dass ihr Kind Texte auch verfassen und nicht nur ab- oder auswendig schreiben kann, etc.“

Weil der Leidensdruck für Eltern oft schon unerträglich ist, wenn von ihnen erwartet wird, dass sie mit ihren Kindern lernen, dass sie verhindern, dass nur scheinbares Lernen passiert,
weil sie durch HochglanzbroschĂĽren und andere Medien verunsichert werden, wĂĽnschen sich viele, von dieser Last befreit zu werden.
Auch um den Preis, keine Auswahl mehr zu haben?

Ein Schultyp für alle heißt: wer kein Schulgeld bezahlen kann oder will, kann auch keine Schule mit Schwerpunkt für sein Kind wählen,

weil es diese im öffentlichen Schulsystem nicht mehr gibt.

Es ist mehrfach bewiesen und allseits unbestritten, dass die eigentliche Verbesserung der Lernleistung nur durch die Hebung der Unterrichtsqualität passieren kann:
„Auf Seiten der Lehrerin zeigt sich im lernförderlichen Unterricht
• ein höheres Ausmaß an Direktivität des Lehrerverhaltens
• eine höhere Aufmerksamkeit für die Abläufe in der Klasse
• ein höheres Ausmaß an Zuwendung an die Förderkinder, jedoch eher weniger Einzelzuwendungen an die übrigen Kinder
• eine stärkere Orientierung auf den Lehrstoff und ein stärkeres Einfordern von Disziplin

Auf Seiten der Kinder zeigt sich im lernförderlichen Unterricht
• ein günstigeres Arbeits- und Sozialverhalten sowie
• ein besseres soziales Klima in der Klasse“

Aus: „Welche Förderung ist erfolgreich? (Peter May 98/09)“

In den Unterlagen „QUIS“ (Qualität in der Schule) des Unterrichtsministeriums ist dazu auch ein Forschungsbericht abgedruckt, der 16 Merkmale erfolgreichen Unterrichts beschreibt: zB:

Struktur geben und Klarheit ĂĽber Ziele herstellen
Die Art und Weise wie das Lernen der SchĂĽler/innen durch die Lehrenden vorbereitet
wird und wie die Lerninhalte präsentiert und bearbeitet werden, entscheidet in
starkem MaĂźe darĂĽber, ob SchĂĽlerinnen und SchĂĽler etwas leicht lernen oder ob sie
sich schwer dabei tun. Als wirksam haben sich hier vor allem Merkmale wie
Strukturiertheit, Klarheit und Verständlichkeit erwiesen. So ist es z.B. wichtig, dass
die SchĂĽler/innen ĂĽber die Ziele der Lernhandlungen orientiert sind und ihnen die
Bedeutung der Ziele deutlich gemacht wird. Auch Situationen selbständigen Lernens
mĂĽssen gut geplant und meist auch vorstrukturiert sein. SchĂĽlerinnen und SchĂĽler
müssen wissen, was auf sie persönlich zukommt; eigene Aufgabenanteile und die
Arbeitsteilung in der Gruppe mĂĽssen ihnen transparent sein.

Wem nützt die Abschaffung der Schultypen im öffentlichen, und ohne Schulgeld erreichbaren Schulsystem?
Den Kindern? Den Eltern?
Oder jenen, die im kostenpflichtigen Privatschulsystem unter sich bleiben können?
Und jenen, die Privatschulen betreiben?