Sprachförderung

Eine wesentliche Voraussetzung für den Schulerfolg eines Kindes ist eine gute sprachliche Bildung. Sprachförderung hat daher zu Recht in der Diskussion um Chancengerechtigkeit einen hohen Stellenwert.

Sprachförderung im verpflichtenden Kindergartenjahr, Sprachförderkurse in der Schule sind begleitende Maßnahmen, die eine erfolgreiche Bildungslaufbahn ermöglichen sollen.

Zwei wesentliche Aspekte sollten dabei nicht unterbewertet werden:

I.
Die Fähigkeit sprechen zu lernen ist Teil unserer genetischen Veranlagung. Weil das Gehirn insbesondere in der frühen Kindheit darauf eingestellt ist, auf allen Ebenen der Sprache Muster zu entdecken und Regeln zu bilden, bedarf es „im Kleinkindalter keines Trainings oder Unterrichts, wohl aber eines regelmäßigen, variationsreichen und zugleich sehr spezifischen Sprachangebots (vgl. Tracy, 2008)

Wichtig ist die Reflexion über die eigene sprachliche Kompetenz und das eigene Sprechverhalten um einen angemessenen sprachlichen Umgang mit den Kindern zu gewährleisten:
o Wie ist meine Wortwahl, die Aussprache, Betonung und Lautstärke?
o Erteile ich nur kurze, immer gleich formulierte Anweisungen?
o Stelle ich vorwiegend Fragen, die nur JA/Nein-Antworten provozieren?


II:
Sprachliche Fähigkeiten, die nur Alltagskommunikation ermöglichen, sind nicht ausreichend für einen guten Schul- bzw. Bildungserfolg.
Es ist daher erforderlich, die bildungssprachlichen Fähigkeiten durchgängig und gezielt zu fördern.
Schüler/innen können sich das jeweils erforderliche sprachliche Register fast nur an der Schule bzw. Bildungseinrichtung aneignen. Wenn an den Schulen keine explizite Vermittlung von „Bildungssprache“ stattfindet, verstärkt dies die Selektivität des Bildungswesens. Ein bildungssprachförderlicher Unterricht ist durch 6 Merkmale gekennzeichnet (vgl. Imke Lange et.al., 2010)

o Die Lehrkräfte stellen die Verbindung von Allgemein- und Bildungssprache explizit her.
o Die Lehrkräfte diagnostizieren die individuellen sprachlichen Voraussetzungen und Entwicklungsprozesse.
o Die Lehrkräfte vermitteln, in welchen Kontexten Wörter angemessen sind (systematische Wortschatzarbeit, Thematisierung von Strukturwörtern,…).
o Die Lehrkräfte bieten vielfältige Möglichkeiten zum Sprachgebrauch, Beiträge bewusst zu konstruieren,…
o Die Lehrkräfte bieten differenzierte Aufgabenstellungen und Hilfsmittel (Wort-listen, Formulierungshilfen, Satzanfänge, Satzmuster,….).
o Die Lehrkräfte pflegen ein kompetenzorientiertes Korrekturverhalten und eine kriterienorientierte Erfassung und Bewertung sprachlicher Leistungen.

Anm.:
I) „Wie Kinder Sprachen lernen-Und wie wir sie dabei unterstützen können“von Prof. Dr. Rosemarie Tracy
2008
II) Workshop „Nachhaltige Sprachförderung“ – Handout von Marion Döll 2011
„Durchgängige Sprachbildung“ Imke Lange, Ingrid Gogolin u.a., 2010