Lesen nicht nur für „Leseratten“

Die Gründe, warum SchülerInnen nur mangelhaft lesen können, sind zahlreich.

Dass das Erlernen von Lesen ein wesentlicher Bereichen des Lehrplans ist, darüber herrscht –wie kaum sonst wo- Einigkeit:

Leseerziehung ist ein integrierender Bestandteil der Grundschule, eine zentrale Bildungs- und Lehraufgabe des Unterrichtsgegenstandes Deutsch sowie in den Lehrplänen als Unterrichtsprinzip festgelegt.

Dennoch ist es den Schulen offenbar möglich, Kinder ohne die überwiegende Erfüllung dieses Bereichs zu belassen.
Unter Hinweis auf das Versagen des Elternhauses: „Eltern sind keine Lesevorbilder!“ erlaubt sich insbesondere die Grundschule (Volksschule), Kinder ohne ausreichende Lesekompetenzen in die nachfolgenden Schulen zu entlassen, wo Grundkompetenzen in Lesen vorausgesetzt werden (dürfen) und wesentlich für den Schulerfolg sind.

Kommen Kinder mit ungenügenden Lesefähigkeiten aus der Volksschule, so ändert der weitere Schulbesuch daran kaum mehr etwas:

Wie aus einer Längsschnittuntersuchung von Dr. Klicpera, Wien hervorgeht, gibt es nur einen geringen Zugewinn an Lesekompetenz von der 3.Kl. VS bis zum Ende der Pflichtschulzeit.
Von den Kindern, die in der VS schlechte Leser waren: blieben

94% schlechte Leser,
6% wurden zu durchschnittlichen Lesern

Zweifellos erleichtert Lesefreude das Erlernen von Lesen, weil es zu häufigerer Beschäftigung mit Lesestoff führt und dadurch zu besserem Lesen.
So ist es auch zu begrĂĽĂźen, dass es
Zentrales Anliegen der schulischen Leseerziehung ist, die Lesebereitschaft und -freude der SchĂĽlerinnen und SchĂĽler zu wecken und damit lebensbegleitendes Lesen zu vermitteln.

Lesefreude zu wecken gelingt wohl kaum, indem man das Gegenteil, nämlich keine Freude am Lesen zu haben, als Mangel dargestellt.
Wer selbst gerne liest oder wer sieht, wie „Leseratten“ große Anerkennung bekommen, meint, unstillbare Leselust ist unverzichtbar für den Leselern-Prozess.

Die (un-)ausgesprochene Forderung „Habe Freude am Lesen, dann wirst du es gut können!“ stürzt viele Kinder in die Verzweiflung. Sie haben nun mal keine Freude am Lesen, sondern an Sport, handwerklichen Tätigkeiten, Musik, …..

Entlastend wäre die Aufforderung: „Trainiere, damit du gut lesen kannst. Vielleicht macht es dir dann auch Freude zu lesen; wenn nicht, so ist das kein Mangel.“

Mangelnde Lesefreude ist kein Rechtfertigungsgrund für die Volksschule, wenn sie Kinder mit schlechten Leseleistungen entlässt.

Die Lehrpersonen haben die Pflicht, die notwendigen Leseleistungen konsequent einzufordern. Dabei sollten sie es dem Kind ersparen, bei (vorübergehend) ungeliebten Tätigkeiten auch noch Freude empfinden oder zeigen zu müssen.

Erlass des LSR-Jänner 2013:

Alle an der Schule tätigen LehrerInnen müssen sich für die Förderung der Lesekompetenz zuständig fühlen: