ganztÀgige Schulform - Tagesschule

an allgemeinbildenden Pflichtschulen

Definition: § 8 lit.j Schulorganisationsgesetz
GanztÀgige Schulformen sind Schulen, an denen neben dem Unterricht eine Tagesbetreuung angeboten wird, wobei zum Besuch der Tagesbetreuung eine Anmeldung erforderlich ist und die Tagesbetreuung (Betreuungsteil) aus folgenden Bereichen besteht:

aa) gegenstandsbezogene Lernzeit, die sich auf bestimmte PflichtgegenstÀnde bezieht, und/oder

bb) individuelle Lernzeit sowie

cc) jedenfalls Freizeit (einschließlich Verpflegung);

An jedem Tag mit Tagesbetreuung muss eine Lernzeit angeboten werden!

Ab wann ist eine ganztĂ€gige Schulform zu fĂŒhren? § 1 a Abs. 3 SteiermĂ€rkisches Pflichtschulorganisations-AusfĂŒhrungsgesetz
Wenn mindestens 15 SchĂŒlerinnen/SchĂŒler fĂŒr die ganztĂ€gige Schulform angemeldet sind, haben die Schulerhalter unter Bedachtnahme auf bereits bestehende, nicht schulische, regionale Betreuungsangebote in einer zumutbaren Entfernung und unter BerĂŒcksichtigung der rĂ€umlichen Voraussetzungen eine ganztĂ€gige Schulform zu fĂŒhren, bei 10 bzw. in besonderen FĂ€llen auch weniger Anmeldungen, darf mit einer Gruppe gestartet werden.

Wie wird eine allgemein bildende Pflichtschule eine ganztÀgige Schule? § 13 Abs. 1 SteiermÀrkisches Pflichtschulerhaltungsgesetz
 Anhörung der Eltern und LehrerInnen bzw. Beratung im Schulforum – keine Entscheidung!
 Antrag der Schulsitzgemeinde an die Abteilung 6 – Referat Pflichtschulen
 Erhebungsverfahren der Abteilung 6: ÜberprĂŒfung der Voraussetzungen, Einholung der Stellungnahmen des Kollegiums des Bezirksschulrates und des Kollegiums des Landesschulrates
 Bewilligungsbescheid der Abteilung 6 an die Gemeinde: Der Bescheid gilt unbefristet.

Formen der ganztÀgigen Schulform: § 8 d Abs. 1 Schulorganisationsgesetz
GanztĂ€gige Schulformen sind in Unterricht und Tagesbetreuung gegliedert, wobei diese in getrennter oder verschrĂ€nkter Abfolge gefĂŒhrt werden können.

verschrÀnkte Abfolge: Unterrichtsstunden und Stunden aus dem Bereich Tagesbetreuung wechseln ab, die beiden Bereiche sind also verschrÀnkt.
Voraussetzung: Alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler einer Klasse mĂŒssen an der Tagesbetreuung wĂ€hrend der ganzen Woche angemeldet sein. Weiters mĂŒssen die Erziehungsberechtigten von mindestens zwei Dritteln der betroffenen SchĂŒlerinnen/SchĂŒler und mindestens zwei Drittel der betroffenen Lehrerinnen und Lehrer zustimmen.
Dh: Nur wenn alle Eltern der Kinder einer Klasse an allen Tagen der Woche eine Tagesbetreuung wĂŒnschen, kann mit Zwei-Drittel- Mehrheit eine verschrĂ€nkte Abfolge vorgesehen werden. Es kann somit nicht passieren, dass Eltern, die gar keine Tagesbetreuung wĂŒnschen oder ihr Kind nur fĂŒr einzelne Tage angemeldet haben, durch andere Eltern ĂŒberstimmt werden und so ihr Kind an allen Tagen der Woche die Tagesbetreuung in Anspruch nehmen muss.

getrennte Abfolge: Die Tagesbetreuung schließt an den Unterricht an.
Die SchĂŒlerInnen dĂŒrfen fĂŒr die Tagesbetreuung in klassen-, schulstufen-, schulĂŒbergreifenden und schulartenĂŒbergreifenden Gruppen zusammengefasst werden. Die Tagesbetreuung darf von den SchĂŒlerInnen auch an einzelnen Nachmittagen der Woche in Anspruch genommen werden. ZusĂ€tzlich dĂŒrfen auch AHS-SchĂŒlerInnen die Tagesbetreuung an öffentlichen allgemein bildenden Pflichtschulen besuchen (jedoch nicht umgekehrt).

Öffnungszeiten: § 3 Abs. 4 SteiermĂ€rkisches Schulzeit-AusfĂŒhrungsgesetz
Die Tagesbetreuung ist an allen Schultagen bis mindestens 16 Uhr und lÀngstens 18 Uhr anzubieten. Eine Stunde der Tagesbetreuung umfasst 50 Minuten, wobei eine Teilung der Stunde zulÀssig ist. Eine Unterbrechung zwischen dem Vormittagsunterricht und der Tagesbetreuung am Nachmittag ist nicht möglich. Die Zeit der Mittagspause (des Mittagessens) zÀhlt zur Freizeit und ist somit auch zu beaufsichtigen

Anwesenheitspflicht! § 45 Abs. 2, 3 und 7 Schulunterrichtsgesetz
Es handelt sich um „Schule“. Fernbleiben von der Tagesbetreuung ist nur zulĂ€ssig bei:
einer gerechtfertigten Verhinderung (z.B. Krankheit, außerordentliche Ereignisse im Leben oder in der Familie der SchĂŒlerin/des SchĂŒlers) sowie
bei Erlaubnis zum Fernbleiben, erteilt von der Schulleiterin/vom Schulleiter oder Leiter/-in der Tagesbetreuung.
FĂŒr den Betreuungsteil ist nicht derselbe strenge Maßstab anzuwenden wie hinsichtlich des Fernbleibens vom Unterrichtsteil. So kann die Erlaubnis zB auch fĂŒr den Besuch eines Instrumentalunterrichts oder eines Sporttrainings erteilt werden.

gegenstandsbezogene Lernzeit (GLZ):
Die gegenstandsbezogene Lernzeit ist –wie der Name ausdrĂŒckt- eine Lernzeit, die auf einen bestimmten Gegenstand bezogen ist.

„Die gegenstandsbezogene Lernzeit umfasst drei Wochenstunden (sofern schulautonom keine andere Festlegung erfolgt), wobei nicht mehrere Stunden an einem Tag vorgesehen werden sollten. Sie ist jeweils einem bestimmten Pflichtgegenstand, in der Regel einem, fĂŒr den schriftliche Arbeiten vorgesehen sind, . In der gegenstandsbezogenen Lernzeit ist der Ertrag der Unterrichtsarbeit zu sichern und durch entsprechende Übungen zu festigen. Neue Lehrstoffe dĂŒrfen nicht erarbeitet werden. Bei schriftlichen Arbeiten ist der vollstĂ€ndigen sowie möglichst richtigen und eigenstĂ€ndigen Ausarbeitung Augenmerk zu schenken. Die UnterstĂŒtzung durch die Lehrerin bzw. den Lehrer darf nur so weit gehen, dass die Erledigung der gestellten Aufgabe selbststĂ€ndige Leistung der SchĂŒlerin bzw. des SchĂŒlers bleibt.“ (Lehrplan der NMS, Dritter Teil Punkt 8)


individuelle Lernzeit (ILZ):
Im Mittelpunkt der individuellen Lernzeit stehen zweckmĂ€ĂŸige und zeitökonomische Verfahrensweisen des selbststĂ€ndigen Lernens (z. B. Erledigung der HausĂŒbungen, Aneignung eines Lernstoffes, Vorbereitung auf Leistungsfeststellungen). Die SchĂŒler/-innen sind in der individuellen Lernzeit von den betreuenden PĂ€dagogInnen durch individuelle LernunterstĂŒtzung zu fördern und bei der Lernarbeit fachlich zu unterstĂŒtzen.

Ausmaß der Lernzeiten
SchulleiterInnen mĂŒssen fĂŒr die gegenstandsbezogene und individuelle Lernzeit BetreuungsplĂ€ne festsetzen. (§ 6 Abs. 4a SchOG)

„Bei der Erstellung des Betreuungsplans ist die Abfolge von gegenstandsbezogener bzw. individueller Lernzeit so zu wĂ€hlen, dass den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern tĂ€glich Freizeitphasen in ausreichendem Maße zur VerfĂŒgung stehen.“

FĂŒr Eltern stellt der Betreuungsplan, ebenso wie der Stundenplan fĂŒr den Unterrichtsteil, eine wichtige Informationsquelle dar.

Die Anzahl der Stunden fĂŒr GLZ und ILZ sind im Lehrplan vorgegeben, und zwar:
3 Wochenstunden GLZ und 4 Wochenstunden ILZ

Durch schulautonome Lehrplanbestimmungen kann das Ausmaß der gegenstandsbezogenen Lernzeit sowie der individuellen Lernzeit unter Bedachtnahme auf pĂ€dagogische, rĂ€umliche und ausstattungs-mĂ€ĂŸige Gegebenheiten folgendermaßen festgesetzt werden:

Lernzeiten ACHTUNG: Änderung 1.September 2015!

Wochenstunden
Gegenstandsbezogene Lernzeit 1 2 3 4
Individuelle Lernzeit (halbwertig) 8 6 4 2

Es liegt in der pĂ€dagogischen Verantwortung der Schulleiterin/des Schulleiters die gegenstands-bezogene und individuelle Lernzeit so zu verteilen, dass die Lernzeitbelastung an den einzelnen Wochentagen nicht zu groß wird und die Gesamtzeit dem Lehrplan entspricht.

Unentgeltlichkeit des Unterrichtes: § 43 SteiermÀrkisches Pflichtschulerhaltungsgesetz
Der Besuch öffentlicher allgemein bildender Pflichtschulen ist unentgeltlich, ausgenommen
a) Lern und ArbeitsmittelbeitrÀge in der Tagesbetreuung und (1)
b) BeitrĂ€ge fĂŒr die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung in öffentlichen SchĂŒlerheimen sowie in der Tagesbetreuung (ausgenommen gegenstandsbezogene und individuelle Lernzeit) öffentlicher ganztĂ€giger Schulformen.
Lern- und ArbeitsmittelbeitrĂ€ge fĂŒr den Unterrichtsteil dĂŒrften nicht auf die Eltern abgewĂ€lzt werden!

ElternbeitrÀge: § 44 Abs. 1 und 2 SteiermÀrkisches Pflichtschulerhaltungsgesetz
Nur fĂŒr den Freizeitbereich der Tagesbetreuung öffentlicher Pflichtschulen, die als ganztĂ€gige Schulform gefĂŒhrt werden, darf vom gesetzlichen Schulerhalter ein nach allgemeinen SĂ€tzen bestimmter, höchstens kostendeckender Beitrag fĂŒr Betreuung in der Freizeit und das Mittagessen eingehoben werden. Die BeitrĂ€ge sind von jenen Personen zu leisten, die nach den Vorschriften des bĂŒrgerlichen Rechtes fĂŒr den Unterhalt des SchĂŒlers aufzukommen haben; sie können auf Ansuchen vom gesetzlichen Schulerhalter, bei ganztĂ€gigen Schulformen entsprechend der nachgewiesenen BedĂŒrftigkeit des Unterhaltspflichtigen, ermĂ€ĂŸigt werden.
FĂŒr die Lernzeiten darf kein Elternbeitrag eingehoben werden.

Freizeitteil

Der Freizeitteil umfasst alle Zeiten des Betreuungsteils, die nicht gegenstandsbezogene bzw. individuelle Lernzeiten sind, und die Zeit des Mittagessens.
Der Freizeitteil hat wie der Unterrichtsteil zur ErfĂŒllung der Aufgabe der österreichischen Schule gemĂ€ĂŸ § 2 des Schulorganisationsgesetzes beizutragen.

Dienstgeber fĂŒr den Freizeitteil ist die Schulerhaltergemeinde, bzw. einer der zahlreichen „TrĂ€gerorganisationen“ (WIKI, Kinderfreunde, Volkshilfe, etc.), die vom Schulerhalter den Auftrag erhalten, das Personal beizustellen.

Eine Mitwirkung von KlassenlehrerInnen (LandeslehrerInnen) im Freizeitteil ist ausschließlich in Form einer NebenbeschĂ€ftigung und nicht im Rahmen der Lehrverpflichtung möglich.

Die Mitwirkung von Personen, die nicht im Rahmen ihres dienstlichen Auftrages als LandeslehrerInnen an Schulen tÀtig werden, ist nur im Freizeitteil möglich, wobei kein Unterschied besteht ob eine "verschrÀnkte ganztÀgige Schulform" oder "getrennte ganztÀgige Schulform" vorliegt.

Im Lehrplan fĂŒr Volks- und Hauptschulen/NMS ist vorgesehen, dass die ganztĂ€gige Schulform zusĂ€tzliche Möglichkeiten zur Entfaltung der KreativitĂ€t bietet und so zu einem sinnvollen Freizeitverhalten (z.B. spielerische und sportliche AktivitĂ€ten, Umgang mit Medien) fĂŒhrt.
Dies gestattet auch den Freizeitteil mit Musik, Sport oder Kunst anzureichern. Eine Unterrichtserteilung ist im Freizeitteil jedoch nicht vorgesehen. Daher ist es auch nicht erlaubt, im Freizeitteil Einzelunterricht abzuhalten oder den SchĂŒlerInnen Aufgaben zu erteilen.

Kooperation mit Musikschulen , Sportvereinen, etc.:

Im Rahmen der ganztÀgigen Schulform können MusiklehrerInnen, SporttrainerInnen, etc. (nur) durch eine Mitwirkung im Freizeitteil eingebunden sein: kein Einzelunterricht, Kosten muss die Gemeinde tragen.
Nicht im Rahmen der ganztĂ€gigen Schulform: In FĂ€llen, in denen die RĂ€umlichkeiten der Schule von der Musikschule zum Zwecke des Musikunterrichtes oder einem Sportverein zwecks Sport-Training mitbenĂŒtzt werden, handelt es sich um eine außerschulische AktivitĂ€t am Standort, die nicht im Zusammenhang mit der ganztĂ€gigen Schulform steht.
FĂŒr den Fall, dass ein Kind, welches fĂŒr die ganztĂ€gige Schulform angemeldet ist, zB. regelmĂ€ĂŸig den Musikunterricht in einer Musikschule besucht, kann § 45 Abs. 7 Schulunterrichtsgesetz herangezogen werden, wonach aus vertretbaren GrĂŒnden die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Betreuungsteil zu erteilen ist.

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