Kein Freibrief f├╝r verk├╝rzten Unterricht

Der Erlass des LSRs "Unterrichtsgarantie" - Erl├Ąuterungen und Hinweise spricht eine klare Sprache:

"Das Unterrichtsjahr endet gem├Ą├č ┬ž 2 Abs. 2 Z 1 lit. c SchZG bzw. ┬ž 2 Abs. 2 Stmk. Schulzeit- Ausf├╝hrungsgesetz mit dem Beginn der Hauptferien, weshalb nat├╝rlich auch am letzten Schultag vor dem Beginn der Hauptferien der lehrplanm├Ą├čig vorgesehen Unterricht stattzufinden hat. Gleiches gilt f├╝r den letzten Schultag vor den Semesterferien. Die Schulnachrichten bzw. die Zeugnisse sollten daher nach M├Âglichkeit erst gegen Ende der letzten Unterrichtsstunde ausgefolgt werden."

zum Erlass.

Das Schreiben der Landesschulinspektoren sendet (f├╝r manche Schulleitungen) andere Signale

Mit ihrem Schreiben vom 30. Juni 2015 an die Schulleitungen der allgemeinbildenden Pflichtschulen haben die Landesschulinspektoren Herr LSI Pojer und Herr LSI Zoller den Schulleitungen empfolhlen,
".....die Zeugnisverteilung soll nach der 2. Unterrichtsstunde erfolgen." und erg├Ąnzt: "Danach d├╝rfen die Sch├╝ler entlassen werden."

Dieser Empfehlung vorangestellt wurde der Hinweis betreffend letzte Schulwoche: "...darf der Stundenplan aufgel├Âst und projektorientiert gearbeitet werden."

Projektunterricht mit Aufl├Âsung des Stundenplans ist kein Ereignis, das einer gesonderten Erlaubnis bedarf. So wurde vielleicht gerade deshalb dieser Hinweis ├╝berlesen bzw. seine Bedeutung f├╝r die Erlaubnis zur Unterrichtsverk├╝rzung am letzten Schultag nicht gew├╝rdigt und nicht ber├╝cksichtigt.

Aus dem Schriftverkehr der Pr├Ąsidentin Ilse Schmid mit dem Leiter der juristischen Abteilung des Landesschulrats Hofrat Magister Engelbert Wippel, ergibt sich nachstehende Erkl├Ąrung:

Schriftverkehr auszugsweise:

Sehr geehrte Frau Pr├Ąsidentin Schmid,

der gegenst├Ąndliche Erlass zur Unterrichtsgarantie f├╝hrt auch an, dass Stundenplan├Ąnderungen aus wichtigen Gr├╝nden vom Schulleiter angeordnet werden k├Ânnen (┬ž 10 Abs. 2 SchUG) . So k├Ânnen Unterrichtsstunden des letzten Schultages , eventuell f├╝r einen Projektunterricht, auf andere Schultage verlegt werden.

Was unter Projektunterricht zu verstehen ist, ergibt sich aus dem angeschlossenen Grundsatzerlass des BMUKK. Projektunterricht darf daher nicht mit einer Schulveranstaltung oder schulbezogenen Veranstaltung verwechselt werden. Diese k├Ânnen einen Projektunterricht lediglich erg├Ąnzen.

Sehr geehrter Herr Hofrat Mag. Wippel,

danke f├╝r Ihre Antwort. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sollte die Mitteilung der Landesschulinspektoren eine Empfehlung darstellen, durch Projekte an Tagen davor eine Stundenplan├Ąnderung dahingehend zu bewirken, dass am letzten Schultag nur 2 Stunden Unterricht anfallen.
...*

Sehr geehrte Frau Pr├Ąs. Schmid,

Sie haben mich grunds├Ątzlich richtig verstanden.
......**

Wenn in Einzelf├Ąllen die Vorgaben des Grundsatzerlasses zum Projektunterricht nicht eingehalten werden oder Unterrichtsstunden nicht verlegt werden, sondern ohne wichtigen Grund einfach entfallen,
gehe ich davon aus, dass die zust├Ąndigen Schulaufsichtsorgane entsprechend einschreiten werden.

Bedenken hinsichtlich weiter reichender Folgen:

Auf die Bedenken seitens Frau Pr├Ąsidentin Schmid:

* Mit dieser Interpretation er├Âffnet sich die Aussicht, dass die Wochen-Stunden so zahlreich wie m├Âglich an den Wochenanfang verlagert werden k├Ânnten um eine unterrichtsarme zweite Wochenh├Ąlfte zu bekommen.

reagierte Herr Hofrat Mag. Wippel mit:

** Ich gehe davon aus, dass ein Projektunterricht, der zu Stundenverlegungen f├╝hrt, ein Ausnahmefall bleiben wird, zumal er mit sehr hohem organisatorischen und p├Ądagogischen Aufwand verbunden ist und f├╝r die Sch├╝ler/innen aufgrund der erh├Âhten Stundenzahl eine zus├Ątzliche Belastung darstellt. Projektunterricht kann jedenfalls als wichtiger Grund f├╝r Stundenplan├Ąnderungen gesehen werden. In der letzten Schulwoche scheint mir jedenfalls nichts dagegen zu sprechen, wobei die Stundenverlegungen den Erziehungsberechtigten entsprechend rechtzeitig bekannt zu geben sind.

Abschlie├čende Bemerkung 1

Wir sehen Schule ausdr├╝cklich nicht als Kinderbetreuungseinrichtung. Dennoch m├╝ssen Eltern darauf vetrauen k├Ânnen, dass zu den stundenplanm├Ą├čig vorgesehenen Unterrichtszeiten f├╝r ihre kinder kein au├čertourlicher Betreuungsbedarf anf├Ąllt.

Abschlie├čende Bemerkung 2

Die Wiedergabe des Schreibens der LSI durch die Schulleitung war nicht korrekt und stellte bestenfalls ihre Interpretation des Inhalts dar. Eher jedoch erinnert dies an die Methode, ├╝ber Teilinformationen die Eltern zu steuern.
Denn das Wort "mindestens" kann schlecht missverstanden werden.
Zitat im Schreiben der LSI: "..am letzten Schultag sind mindestens 2 Stunden mit anschlie├čender Zeugnisverteilung..."

Ilse Schmid